Olaf Scholz
22.04.2015

Grußwort zum Salon „Smart Home“ im Apartimentum

 

Lieber Herr Hinrichs,
lieber Herr Neidhardt,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

es gibt Entwicklungen, die beginnen mit einem Paukenschlag, an den man sich noch Jahrzehnte später erinnern kann – denken Sie nur an den Fall der Mauer und den Epochenwandel der folgte.


Mit der Digitalisierung verhält es sich anders. Hier gab es nicht den einen, alles verändernden Moment.


Und doch bedeutet die Kombination aus Vernetzung, 24h-Verfügbarkeit, mobilen Endgeräten und Internet-Technologie, die wir als Digitalisierung bezeichnen, nichts weniger als einen Epochenwandel.


Er ist vergleichbar allenfalls mit der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern im 15. Jahrhundert, der Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert und der Elektrifizierung moderner Staaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts.


Auch die Digitalisierung erfasst heute alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft: In einer ersten Welle entstanden neue Informations- und Kommunikationstechnologien. In einer zweiten Welle wurden digitale Anwendungen zunehmend in Produktions- und Logistikprozesse hineingenommen. Und in der aktuell laufenden dritten Welle geht es um die Nutzung digitaler Technologien im öffentlichen Raum und im Alltag. Und das ohne dass die beiden ersten Wellen auch nur ansatzweise abgeebbt wären.


Wir stecken also mitten drin. Und damit stellt sich uns die Frage: Wie nutzen wir diese Technologien so, dass wir damit Fortschritt ermöglichen? Wirtschaftlich, gesellschaftlich, individuell.


Diese Thematik steht auch im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe Smart City Salon, bei der es heute um intelligente Häuser geht.


Dafür kann es natürlich kaum einen besseren Ort geben, als das Appartimentum, das Lars Hinrichs hier mitten in Hamburg baut. Ein Haus, das nach Bekundung seines Bauherrn das intelligenteste Haus Europas ist.


Ich weiß nicht, ob Häuser einen IQ haben, der ein solches Ranking ermöglicht. Aber ich weiß, dass dieses Projekt in einer Stadt entsteht, die ihrerseits ebenfalls vergleichsweise smart ist und bereits früh und eindringlich auf die Möglichkeiten digitaler Technologien gesetzt hat.


Gerade erst im Januar hat sich der Senat deutlich zur Digitalisierung der großen Stadt als einem wesentlichen Inhalt der Arbeit der Verwaltung bekannt.


Den digitalen Wandel zum Vorteil der Stadt zu managen ist eine unserer zentralen Aufgaben. Dabei geht es um die Digitalisierung der Verwaltung genauso wie um die Digitalisierung der öffentlichen Infrastruktur und um Innovationsräume für unternehmerische Aktivitäten.


Wir streben ein Investitionsklima an, das die Entwicklung moderner digitaler Anwendungen und die Vernetzung zwischen Unternehmen und Institutionen befördern soll.


Das gilt in letzter Konsequenz für alle Bereiche - von den Hochschulen bis zum Hafen. Lassen Sie mich konkret auf drei Handlungsfelder eingehen:


1. Mobilität
In Hamburg sind heute etwa eine Dreiviertelmillion PKW angemeldet. Das ist ein Bereich, in dem sich in den kommenden Jahren durch Technologie massive Veränderungen ergeben werden. Wenn wir einmal annehmen, dass die Entwicklung zu massenmarkttauglichen Elektro-Antrieben führt, dann verändert das die Qualität des Autoverkehrs erheblich. Die Luft wird besser, der Verkehr leiser. Sie können dann auch an der Max-Brauer-Allee im ersten Stock wieder gemütlich auf dem Balkon sitzen.
Schon heute sind Verkehrsmittel weitgehend digital. Immer öfter spielen bei Präsentationen neuer Automodelle die Konnektivität und die digitale Kontrolle eine genauso große Rolle wie Details des Motors oder der Karosserie. Dadurch entstehen die Voraussetzungen für eine bessere Vernetzung.
Die Digitalisierung eröffnet hier eine starke Perspektive: Die multimodale Nutzung aller Verkehrsmittel in Verbindung mit intelligenter Parkraumbewirtschaftung und Verkehrsführung, Stadtrad-Nutzung, Ausbau des ÖPNV – das bedeutet tatsächlich einen epochalen Umbruch im Bereich der urbanen Mobilität. Ihn müssen und wollen wir bewältigen – auch weil direkt anschließend die große Frage auftauchen wird, wie wir mit autonom fahrenden Autos in der Stadt umgehen werden…


2. Bildung
Auch hier hilft uns die Digitalisierung, einen wichtigen Teil unserer Stadt neu zu erfinden: Die Hamburger Hochschulen haben sich auf den Weg gemacht, unter dem Namen „Hamburg Open Online University“ ein digitales Lehr- und Lernangebot aufzubauen, das zeigen soll, wie Hochschulen künftig eben auch arbeiten können. Es geht dabei um die kluge Verbindung von Präsenzlehre und digitalen Angeboten und es geht darum, das Wissen der Hochschulen und ihre Problemlösungskapazitäten breit gefächert zur Verfügung zu stellen und möglichst vielen verfügbar zu machen.
Aber wir wollen auch ganz am Anfang ansetzen: In sechs Hamburger Schulen wird gegenwärtig der Umgang mit digitalen Lehrmitteln erprobt.
In der Perspektive eröffnet uns die Digitalisierung die Möglichkeit, solche Angebote flächendeckend zu gewährleisten.


3. Energie
Im Bereich der Energie erlaubt die digitale Steuerung, volatile neue Energiequellen optimal zu nutzen. Digitale ökologische Ressourcensteuerung heißt auch Aufbau neuer technischer Infrastrukturen und Technologien – denken Sie an virtuelle Kraftwerke und Speicher.
Genauso sind auch Kundenanlagen und die Übertragungs- und Verteilnetze der erneuerbaren Energien auf digitale Steuerung angewiesen. Ein wesentlicher Teil der Technologie in der intelligenten Wohnung dreht sich auch um diese Fragen.
„Smart Energy“ ist schon heute ein wichtiges Gemeinschaftsprojekt der Hamburger Wirtschaft, der Netzbetreiber, der Energieerzeuger und der Fachbehörden.


Mobilität, Bildung, Energie - das sind drei Schlüsselbereiche für Hamburg auf dem Weg zur digitalen Stadt.


Lieber Herr Hinrichs, lieber Herr Neidhardt,
Sie sehen: Auch wir im Senat arbeiten daran, unsere Stadt intelligenter zu machen.


Und darum passt das, was Sie machen und das, was wir machen, auch so gut zusammen.


Denn auch im Apartimentum stecken allerlei digitale Lösungen:

  • Wie sehen Heizsysteme der Zukunft aus?
  • Wie kann der Energieverbrauch trotz gestiegener Zahl von Energieverbrauchern gesenkt werden?
  • Wie kann eine Wohnung das Zuhause-Gefühl steigern?
  • Welche Informationen von „da draußen“ brauche ich für „hier drinnen“?

Und wie integriert man ein innovatives Wohngebäude in die Infrastruktur einer Stadt?


Ich denke, dass Sie viele gute Antworten auf diese und weitere Fragen haben und freue mich schon jetzt auf die spätere Diskussion.


Schönen Dank.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

 

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