Olaf Scholz
03.02.2017

38. Einbürgerungsfeier im Festsaal des Hamburger Rathauses

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
 
herzlich willkommen im Rathaus. Das Hamburger Rathaus ist ein ganz besonderer Ort. Auf der einen Seite des Rathauses befindet sich der Sitz des Hamburger Parlamentes, der Bürgerschaft, und auf der anderen Seite des Rathauses befindet sich der Sitz der Hamburger Regierung, dem Senat.

Besonders ist das Rathaus auch, weil es für die Bürgerinnen und Bürger und unsere Touristen offen ist. Jeden Tag kommen viele hunderte Besucher, bei gutem Wetter sind es tausende. Ganz besonders beliebt ist es, hier zu heiraten. Die Termine sind meist schon Anfang des Jahres ausgebucht. Gerne kommen auch Schulkinder mit ihren Lehrerinnen und Lehrern. Sie werden durch das Rathaus geführt und lassen sich die Geschichte und das Gebäude ausführlich erklären. Natürlich gibt es diese interessanten Führungen auch für Erwachsene.

Zu den besonders beeindruckenden Räumen im Rathaus gehört der Saal, in dem wir jetzt sind. Hier, im Großen Festsaal feiern wir zum Beispiel das traditionelle Matthiae-Mahl. In diesem Jahr habe ich den Kanadischen Premierminister Justin Trudeau und den deutsche Außenminister Sigmar Gabriel eingeladen. Regierungschefs, Staatspräsidenten, Könige und Königinnen empfangen wir hier. Im letzten Herbst waren König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia aus Schweden zu Gast.  

Der Große Festsaal ist deshalb auch genau der richtige Ort für unsere Einbürgerungsfeiern.  Alle Neubürger werden zu den Einbürgerungsfeiern eingeladen, fünf bis sechs Mal gibt es diese Feiern und alle freuen sich auf diese Termine. Im vergangenen Jahr hat Hamburg fast 6.000 Männer und Frauen eingebürgert, mehr als viertausend davon haben wir persönlich zu den Einbürgerungsfeiern eingeladen. Die meisten kommen wie Sie mit ihren Familien. Ganz besonders freut mich, dass auch heute so viele Kinder dabei sind.

Die Einbürgerungsfeiern gehören zu den ganz wichtigen Festen hier im Rathaus. Wir feiern, dass Sie sich für Deutschland entschieden haben. Wir feiern, dass Sie nun Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland sind. Und wir feiern, dass wir gemeinsam in diesem ganz besonderen Land leben. Die Einbürgerung ist ein Festtag der offenen Gesellschaft.

Sie haben die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt und sich damit zu Deutschland bekannt. Sich zu Deutschland bekennen, bedeutet sehr viel. Es ist viel mehr als beim Fußball für Deutschland zu jubeln. Oder zu sagen, Hamburg ist für mich die schönste Stadt der Welt. Beides ist natürlich richtig, das ist keine Frage. Aber Einbürgerung, das wissen Sie alle, bedeutet eben mehr:  Der Schritt zur Einbürgerung ist ein Bekenntnis zur Verfassung, zur Kultur und zur Sprache. Sie haben sich entschieden, ein Teil von Deutschland zu werden.  Sie können nun sagen: „Ich bin Deutsche“ oder „Ich bin Deutscher“.  

Deshalb sage ich heute ausdrücklich, obwohl viele von Ihnen ja schon länger hier wohnen: Herzlich Willkommen in Deutschland. Wir freuen uns über Sie, und wir freuen uns mit Ihnen!

Deutscher Staatsbürger zu sein, bedeutet zu einer freiheitlichen Gesellschaft zu gehören. Es bedeutet auch, zu einer Gesellschaft zu gehören, in der Migration und Integration eine sehr große Rolle spielen. Deutschland ist ein Einwanderungsland, und was das bedeutet, zeigt Hamburg besonders gut.

Hamburg ist eine Weltstadt. Wir sind stolz auf unseren Hafen, er gehört zu den größten der Welt. Wir sind stolz darauf,  auch bei vielen anderen Dingen zu den wichtigen Städten der Welt zu gehören, zum Beispiel in der Luftfahrtindustrie. Und mit der Elbphilharmonie haben wir auch ein Konzerthaus von Weltrang. Vor allem aber sind wir eine Weltstadt, weil Hamburg eine offene und freiheitliche Stadt ist. 1,8 Millionen Einwohner hat Hamburg, ein Drittel davon haben einen Migrationshintergrund. Hamburger und Hamburgerinnen stammen aus Familien aus rund 200 Ländern der Welt.

Unsere Geschichte zeigt, dass Zuwanderung bereichert. Die Möglichkeit, sich einbürgern zu lassen, gab es schon sehr lange. Aber seit Dezember 2011 wirbt die Stadt auch aktiv für die deutsche Staatsbürgerschaft. Ich habe tausenden Hamburgerinnen und Hamburgern persönliche Briefe geschrieben und sie ermutigt, die Möglichkeit der Einbürgerung zu nutzen. Vielleicht haben Sie ja auch einen Brief bekommen.

Sie wissen, das Verfahren zur Einbürgerung ist nicht einfach. Es gibt eine Reihe von Anforderungen, die Kriterien sind transparent und für alle gleich. Es dauert schon mal etwas länger bis die Voraussetzungen erfüllt sind und alle Unterlagen da sind. Das ist mühsam für die, die den Antrag stellen. Aber auch für die, die ihn prüfen, bedeutet das viel Arbeit.

Zu jeder Einbürgerungsfeier laden wir deshalb auch die Mitarbeiter der Verwaltung und die ehrenamtlichen Einbürgerungshelfer ein. Auch heute sind wieder einige von ihnen anwesend.


Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Einwohnerzentralamtes unterstützen die Einbürgerungsinitiative mit Herz und Sachverstand, sie bemühen sich, die Verfahren so zügig wie möglich zu gestalten. Und sehr froh bin ich auch über die Arbeit der ehrenamtlichen Einbürgerungskoordinatoren und der Lotsen. Sie haben viel Erfahrung damit, Probleme zu lösen. Ihnen allen möchte ich ausdrücklich ganz herzlich danken. Sie sind für alle Beteiligten eine wesentliche Hilfestellung und enorme Unterstützung.
Wie sehr sich Ihre Arbeit lohnt, kann man an den Zahlen der Einbürgerungen im deutschlandweiten Vergleich sehen: Wir haben inzwischen fast so viele Einbürgerungen wie Berlin und das, obwohl Hamburg nur halb so groß ist. Berechnet auf die Einwohner ist die Zahl der Einbürgerungen in Hamburg doppelt so hoch wie im Durchschnitt. Wir sind ganz deutlich an der Spitze aller Bundesländer.

Ich bin mir sicher, die Einbürgerung ist ein Weg, die Zusammengehörigkeit zu stärken. Wir sind verschieden, wir sind frei und wir gehören zusammen. Das ist die Idee und das klappt gut in Hamburg.

Gleichberechtigung und gegenseitige Akzeptanz sind die Grundlage für das friedliche Zusammenleben. Das hat uns unsere Verfassung auf den Weg gegeben: für ein gemeinsames und pluralistische Zusammenleben einzutreten, für Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit. Jede Generation muss diese Werte an die kommende weiter geben. Jede Generation muss die demokratischen Institutionen für sich entdecken und mit Leben füllen. Deshalb ist das persönliche Engagement so wichtig.  

Sie sind jetzt deutsche Staatsbürger, es ist Ihr Land, Sie gehören dazu. Machen Sie etwas draus, engagieren Sie sich in Vereinen, in Parteien oder in der Elternvertretung. Es ist wichtig, die Dinge zu benennen, die Sie schätzen und sich dafür stark zu machen.

Denken Sie immer daran, es ist nicht egal, was Sie sagen oder tun. In der Demokratie kommt es auf jede Einzelne und jeden Einzelnen an. Wir brauchen Ihren Optimismus und Ihr Zutrauen, um unser Land gemeinsam weiter voranzubringen.

Herzlichen Glückwunsch zur Einbürgerung. Ich wünsche Ihnen alles Gute für den weiteren Lebensweg.

Vielen Dank

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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