Olaf Scholz
14.02.2017

Grußwort zur Wiedereröffnungsfeier des Planetariums Hamburg

 

Sehr geehrter Herr Kraupe,
sehr geehrter Herr Jenke
sehr geehrte Herr Herwig,
sehr geehrter Herr Gresch,
sehr geehrte Frau Scheffler,
sehr geehrte Frau Bürgerschaftspräsidentin,
(sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
sehr geehrte Frau Doyenne, sehr geehrte Mitglieder des Konsularischen Korps,)
sehr geehrte Damen und Herren!

Unsere schöne Stadt hat viele Attraktionen, aber ehrlicherweise muss man auch zugeben: Sie ist nicht unbedingt berühmt für helles Sterngefunkel. Da ist ganz einfach unsere norddeutsche Meteorologie vor. Hamburgs Himmel ist gern mal grau. Aber wir wären keine Hamburger, wenn uns nicht auch da was eingefallen wäre. Gegen die frühe Dunkelheit im Winter haben wir Lampen, gegen die Kälte Heizungen, gegen zu viel Wasser Deiche.

Und wer durch die Wolken schauen möchte, der geht in unser Planetarium. Hier ist der Sternenhimmel genauso prächtig, wie ihn unsere Seeleute aus den Tropen kennen. Und das ist noch nicht alles: Wir können hier die Sterne sogar steuern. Wir machen unsere Mondaufgänge selber, wir schicken die Planeten auf die Bahn, wir segeln in Sekunden zu den fernsten Galaxien, und müssen dafür nicht mal aus dem Sessel.

Das alles ist das Verdienst von Menschen mit Visionen.

Seit der Mensch aufrecht geht, orientiert er sich an den Sternen. Durch unsere gesamte Geschichte hindurch sind sie unsere Begleiter auf dem Weg zu immer neuen Zielen. Wir sehen sie heute nicht mehr als Götter, aber wir bekommen durch die Forschung im All eine neue, bessere Perspektive auf die Welt und damit auch auf uns selbst.


Wir Hamburger machen nicht gern Theater, aber wir haben gern welche. Dieser schöne alte Wasserturm hier ist unsere große Himmelsoper. Und er ist auch ein Wahrzeichen unserer Stadt. Errichtet unter Hamburgs großem Stadtplaner Fritz Schumacher in der klassischen norddeutschen Backstein-Architektur als Wasserturm. Man staunt, mit wie viel Liebe zur Form, zum Material, zum Detail früher sogar für ganz profane Zwecke gebaut wurde.

Schumacher war so ein Mann mit Visionen. Und er hat erlebt, dass aus dem Wasserturm schon bald ein Himmelstheater wurde. Heute stehen wir hier in Deutschlands dienstältestem und erfolgreichstem Planetarium: eröffnet 1930, 300.000 Besucher im Jahr. Es ist Europas erstes großformatiges Echtzeit-Digital-Planetarium. Das klingt nicht nur spannend, es ist auch so:  faszinierend. Im Sternensaal geht es wirklich wie in einem Raumschiff zu. Rundumblick von 360 Grad, überall Lichter, Farben, Musik. Wie in einem Raumschiff im Kino natürlich: Die Sterne sind  bekanntlich stumm, hier aber kommen die Töne von allen Seiten, und der Pilot kann die Planeten auch mal rückwärts laufen lassen.

Die technische Ausstattung ist weltweit einzigartig. Und auch hier war ein Mann mit Visionen am Werk: Thomas Kraupe. Er hat mit seinen Plänen und Ideen im Tor zur Welt ein Fenster zum Weltall eingebaut.

Der Kosmos ist die größte Show der Schöpfung, aber das Planetarium will uns nicht nur staunen lassen, verblüffen und begeistern: Wir sollen auch was lernen über die Welt, in der wir leben, die Kräfte, die Sonne, Mond und Sterne bewegen, und die Möglichkeiten, die sich künftigen Generationen durch die Raumfahrt erschließen.


In „Doktor Faustus“ lässt Thomas Mann eine seiner Romanfiguren sagen, ich zitiere: „Die Daten der kosmischen Schöpfung sind ein nichts als betäubendes Bombardement unserer Intelligenz mit Zahlen, ausgestattet mit einem Kometenschweif von zwei Dutzend Nullen, die so tun, als ob sie mit Maß und Verstand noch irgendetwas zu tun hätten.“

Meine Damen und Herren, das klingt nicht sehr ermutigend. Aber zum Glück haben wir das Planetarium. Und wir haben Thomas Kraupe, der uns das Anstrengende auf das Interessante erklären kann, ohne dass die große Story dabei an Niveau verliert. Als Präsident der International Planetarium Society kennt er Wissenschaftler, Künstler, Dramaturgen und Pädagogen in der ganzen Welt. Sie liefern die Ideen, die Themen, die uns auch die unfassbaren Dimensionen begreiflich machen.


Wohin die Reise mit seinem neuen „Raumschiff Planetarium“ geht, zeigt schon der erste Fahrplan. „Wir sind die Sterne“ erzählt – natürlich dreidimensional –, was in den knapp 14 Milliarden Jahre vom Urknall bis zu den ersten Lebewesen geschah. 14 Milliarden Jahre, das ist noch länger als die Bauzeit der Elbphilharmonie. „Polaris und das Rätsel der Polarnacht“ führt Himmelserscheinungen aus Gegenden vor, in denen der Wind noch frischer weht als in Hamburg. Und „Der Himmel über Hamburg“ zeigt Hamburg bei Nacht mal anders als im Reiseführer, mit Planetenläufen, Tierkreisbildern, einer Kreuzfahrt bis unter das „Kreuz des Südens“ und, so ist es versprochen, ganz ohne Nackenstarre.


Unser Planetarium will aber mehr: Es möchte ein Treffpunkt sein, für die Hamburgerinnen und Hamburger. Immer wieder auch für alle die, im Stadtpark spazieren gehen, Fußballspielen, Drachen steigen lassen, Sonnenbaden – auch das wird dieses Jahr wieder möglich sein – oder auf der Aussichtsplattform den Blick auf die Stadt genießen wollen und zwischendurch hier einen Kaffee trinken oder ein Eis essen können.

Wir haben unser Planetarium jetzt nachhaltig erneuert und zukunftssicher aufgestellt – so dass wir immer die neueste Projektionstechnik haben werden und dieser bemerkenswerte Bau immer gut in Schuss sein wird.

Wir Hamburger, so nüchtern wir sind, sehen den Himmel und die Sterne nicht nur mit den Augen – wenn mal keine Wolken sind –, sondern auch mit dem Herzen. Das Planetarium ist für viele Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt eine Herzenssache. Und für den Bürgermeister ebenfalls. Deshalb freue ich mich, Ihnen, Thomas Kraupe, und Ihnen, Michael Jenke jetzt die Zündschlüssel zu Ihrem Raumschiff übergeben zu könne. Starten Sie durch, und möge die Macht mit Ihnen sein!

Vielen Dank.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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