Olaf Scholz
24.02.2017

Grußwort zur Inbetriebnahme Windkraftanlagen von Hamburg Energie

 

Sehr geehrter Herr Dr. Iffert,
sehr geehrter Herr Dr. Beckereit,
sehr geehrter Herr Dr. Tacke,
sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Einladung. Die neue Windkraftanlage, die wir heute gemeinsam einweihen, ist ein weiterer Leuchtturm der Windhauptstadt Hamburg. Wie es sich für einen Leuchtturm gehört, steht auch diese Anlage auf exponiertem Gebiet: Nicht auf einer grünen Wiese, sondern mitten im Hamburger Hafen.

Eine Windkraftanlage im intensiv genutzten gewerblichen Teil des Hafens zu installieren, in direkter Nähe zu sensiblen Industrieanlagen, das ist ein deutschlandweit einzigartiges Projekt. Die Realisierung ist gelungen, weil der städtische Energieversorger, die Hamburg Energie GmbH, mit dem führenden Windenergieanlagenhersteller Siemens Wind Power und dem Industrieunternehmen Trimet Hand in Hand gearbeitet hat.

Hamburg Energie wird mit diesem Projekt zum größten Produzenten von Windenergie in Hamburg. Siemens Wind Power ist ein idealer Hersteller, der die speziellen Anforderungen erfüllen kann. Trimet hat als großer Verbraucher und verantwortungsvoller Industriekonzern das komplexe Projekt auf seinem Gelände entscheidend befördert. Auch die Nachbarbetriebe wie die Hydro Aluminium Rolled Products GmbH und vier Logistikbetriebe tragen das Vorhaben. Gemeinsam haben die Betriebe „Ja!“ zu der Anlage an ihrem Standort gesagt, auch wenn das für sie mit Beeinträchtigungen verbunden ist. Erstmalig wurde das in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag geregelt. Das sicherheitstechnisch anspruchsvolle und komplexe Genehmigungsverfahren hat die Behörde für Umwelt und Energie begleitet.  

Deutschland hat eine führende Rolle bei der Entwicklung erneuerbarer Energien. Inzwischen ist der Anteil der Erneuerbaren Energien am Strommix doppelt so hoch wie der der Kernkraft. Wir können uns freuen, dass „Energiewende“ ein deutsches Lehnwort ist, das in allen Industriestaaten bekannt ist. Aber die Herausforderungen sind nach wie vor enorm: Denn wir müssen zeigen, wie es möglich ist, den Energiebedarf einer Industrienation zuverlässig zu decken, den Lebensstandard auszubauen und das Wirtschaftswachstum zu sichern.

Wir wissen, Technologien sind der Schlüssel. Sie müssen hier in Deutschland entwickelt, erprobt und zur industriellen Reife gebracht werden. Dabei geht es immer um die drei Säulen: den Ausbau der Erneuerbaren Energien, um mehr Effizienz bei der Energienutzung und um die Modernisierung der Energienetze.

Deshalb ist das große Schaufensterprojekt zur Norddeutschen Energie Wende, NEW 4.0 so wichtig. 60 Partner aus Hamburg und Schleswig-Holstein sind dabei, darunter natürlich auch Hamburg Energie, Siemens und Trimet.  NEW 4.0 entwickelt die Lösungen zur Netzintegration: Die fluktuierenden Erneuerbaren Energien werden an den hohen und schwankenden Energiebedarf einer Industrienation angepasst. Mit reichlich Windenergie aus den norddeutschen Küstenländern und intelligenten Konzepten für Energiespeicherung und –umwandlung, Lastmanagement und Nachfrageflexibilisierung wollen die Beteiligten zeigen, wie es geht.  

Das Ziel von NEW 4.0 ist es, die Region bis 2025 sicher und effizient mit 70 Prozent regenerativer Energie zu versorgen. NEW 4.0 ist unser Reallabor, denn die damit verknüpfte Wirtschafts- und Industrieregion entspricht ziemlich genau den Bedingungen des Standortes Deutschland insgesamt. Unternehmen, Universitäten und Industrie aus Hamburg und Schleswig-Holstein werden mit Unterstützung der Bundesregierung und den Landesregierungen die Technologien entwickeln, die Geschäftsmodelle und alles, was dazu gehört.

So arbeitet Trimet an einem Modellversuch zur Flex-Elektrolyse, mit dem die energieintensive und sensible Aluminiumproduktion an die schwankenden Strommengen aus Windkraft angepasst werden kann. Und Siemens entwickelt zusammen mit HAMBURG ENERGIE und der Technischen Universität Hamburg effektive thermische Speicher für Windenergie. „Future Energy Solution“ heißt das Projekt, einen der neuen Energiespeicher wird Siemens hier an einem Windrad auf dem Gelände von Trimet installieren.

Mit dieser neuen Windkraftanlage hier in Finkenwerder  stellen der Energieversorger Hamburg Energie, die Wirtschaft und die Stadt Hamburg unter Beweis, wie ernst sie es mit der Energiewende meinen. Die drei großen Windkrafträder vor beeindruckender Hafenkulisse zeigen weithin sichtbar, dass gewerbliche Räume (noch mehr als bisher) einen eigenen Beitrag zur Energieproduktion leisten können.

Wo Energie gebraucht wird, wird sie auch erzeugt – das entspricht der Tradition der alten Wind-Mühlen. Ein solches Projekt mit neuester Technologie zur Energiegewinnung im Industriegebiet zu realisieren ist nicht einfach. Es ist umso wichtiger, mutig voran zu gehen. Die Anlage ist ein zukunftsweisendes Bauprojekt, ein Preview in die Zukunft der Windkraftanlagen in urbanen Gebieten. Wir nutzen die industrielle Fläche des Hamburger Hafens doppelt. Damit wird Hamburg seinem Ruf als Hafenstadt und Hauptstadt des Windes gerecht.


Im Namen der Freien und Hansestadt Hamburg danke ich allen Beteiligten und wünsche gutes Gelingen!

 

Vielen Dank.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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