Olaf Scholz
04.04.2017

Grußwort: Spatenstich südliches Überseequartier mit Unibail-Rodamco

 

Sehr geehrter Herr Cuvillier,
sehr geehrter Herr Hartung,
sehr geehrter Herr Faust,
sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Einladung. Der symbolische Spatenstich für die Neubauten im südlichen Überquartier, ist ein wichtiges Datum für die HafenCity.  

Eine gelungene Stadtentwicklung speist sich aus dem Bekannten und Vertrauten, der Kopplung mit neuen Ideen und der veränderten Nutzung vorhandener Areale.  Städte sind immer auch Kulturdenkmäler des Wachstums und der Veränderung.

In allen europäischen Städten sind da, wo einmal Stadtmauern die Grenze zwischen Innen und Außen zogen, heute meist die schönsten Orte der Innenstadt. Auch bei uns in Hamburg ist das so. Der französische Begriff des Boulevard erinnert noch an die Stadtmauern, er ist abgeleitet von dem Begriff bulwerc, zu Deutsch: Bollwerk. Man kennt die langen und wunderschönen Boulevards aus Paris, wie etwa den Boulevard Saint-Germain.

Boulevards und öffentliche Plätze sind die Orte, an denen man Flaneure trifft. Flaneur, auch ein französischer Begriff, der das Schöne einer Metropole kennzeichnet. Wir kennen den Flaneur als literarische Person, die durch die Stadt streift und deren Geschichten erzählt. Flaneure sind Genießer und Beobachter. Sie sind da, wo etwas los ist: wo Geschäfte sind, wo öffentliche Plätze und Cafés zum Verweilen einladen. Wo man gut flanieren kann, treffen sich interessante Leute und es entwickeln sich kulturelle Zentren. So entstehen Anziehungspunkte einer Stadt, die weltberühmt werden können.

Quartiere zu haben, die man erlaufen kann und die Möglichkeit, im urbanen Raum zu wandern, gehört zu den wichtigen Zielen der Stadtentwicklung in Hamburg. Die Stadt zu Fuß entdecken zu können, ist eine Hamburger Perspektive. Das zeigt sich ganz besonders hier in der HafenCity, wo wir wie schon beim Schleifen der alten Stadtmauern, das Verhältnis von Innen und Außen verändert haben: Erinnern Sie sich noch, wie es war, bis vor fünf Jahren?

Bis zum Dezember 2012, 125 Jahre lang, hatte Hamburg mitten in der Stadt eine Grenze: die Zollgrenze zum Freihafen. Wo früher Schlagbäume und Zäune standen, sind die Hamburgerinnen und Hamburger heute Flaneure, Wanderer und manchmal Touristen in der eigenen Stadt. Hier verlaufen heute die schönsten Spazierwege: am Wasser entlang, mit Sehenswürdigkeiten, die in jedem Reiseführer als „must see“ angekündigt werden.

Ein kilometerlanger maritimer Boulevard zieht sich von den Landungsbrücken, vorbei am Baumwall in die HafenCity. Man wird verführt zu kleinen Abstechern über wunderschöne Brücken in die Speicherstadt,  kommt zur Elbphilharmonie und kann bis zur HafenCity Universität gehen. Dieser maritime Boulevard wird im Überseequartier einen neuen Höhepunkt finden.

Hier, wo wir heute in diesem provisorischen Zelt stehen, wird in wenigen Jahren das Zentrum eines hochattraktiven städtebaulichen Ensembles sein. Hier entsteht  ein Aushängeschild unserer City. Die Hamburgerinnen und Hamburger, die Touristen und die Besucher, die mit einem Kreuzfahrtschiff kommend, in Hamburg Station machen, werden ein Quartier vorfinden, das zum Gehen, Verweilen und Beobachten einlädt. Was hier gebaut wird, ist kein Einkaufszentrum, sondern ein neues urbanes Zentrum. Das Überseequartier wird ein Herzstück der HafenCity, ein offener und belebter Stadtraum.

Als 2013 die Planungen umgestaltet werden mussten, haben wir die Chance genutzt. Wir haben die Anforderungen verbessert und zukunftsfähig gemacht. Wir haben gesagt: Unsere Stadt verzeichnet immer mehr Einwohner und Touristen, das müssen wir berücksichtigen. Das Überseequartier muss zu unserem städtebaulichen Prinzip einer weltoffenen und begehbaren Stadt passen. Wir wollen keinen Schuhkarton, sondern ein lebendiges Viertel aus vielen Einzelhäusern, Cafés,  Restaurants,  Büros und Wohnungen, mit einer guten Verbindung und mit Einkaufsmöglichkeiten, die so attraktiv sind, dass sie die ganze Innenstadt bereichern.

Ein solches Ensemble zu realisieren, ist eine sehr hohe Anforderung. Es ist schwierig, einen dazu passenden Bauherrn zu finden. Es ist ein großer Erfolg für Hamburg, dass wir 2014 das Immobilien- und Investmentunternehmen Unibail-Rodamco für dieses Projekt gewinnen konnten. Vielleicht hat es ja auch damit zu tun, dass wir ab und zu „Boulevard“ oder „Flaneur“ gesagt haben. Jedenfalls passt es hervorragend: Das französische Unternehmen Unibail-Rodamco verfügt über die nötige Finanzkraft und die Erfahrungen für ein solch anspruchsvolles Projekt. Eine Riesensumme von fast einer Milliarde Euro wird investiert.

Hier entsteht ein Quartier, in  dem es fast  alles  gibt: Wohnungen,  Läden  aller  Art, 8.000 Quadratmeter für Gastronomie, ein Kino mit 10 Sälen, Hotels mit 800 Zimmern und ein neuartiger, vertikaler Kreuzfahrtterminal. Die rund 500 Wohnungen werden überwiegend nördlich der U-Bahn-Trasse entstehen, damit Nutzungskonflikte mit dem Kreuzfahrtterminal und mit dem spätabendlichen Entertainmentbetrieb ausgeschlossen sind.  Das alles hervorragend angebunden mit Bus und U-Bahn.

Um zusätzliche Fläche zu schaffen, wird das Untergeschoss in der Warft gebaut, auf denen die Hafencity-Häuser aus Gründen des Hochwasserschutzes stehen. Die Tiefgaragen werden dafür noch eine Etage tiefer liegen. Nicht nur das Parken, sondern auch der öffentliche Verkehr und die Zulieferung werden weitgehend unterirdisch abgewickelt.

Das Überseequartier ist ein Ensemble aus 11 Gebäuden (je nach Zählweise auch 14), alle haben unterschiedliche aber zueinander passende Formen, Fassaden und Größen, jedes ist von einem anderen Architekten-Team. Manche der Gebäudekomplexe sind besonders markant, wie die beiden etwa 60 Meter hohen Türme an der Wasserkante neben dem Kreuzfahrtterminal oder das einer Skulptur ähnelnde Bürogebäude am Magdeburger Hafen.

Zwischen sechs der Gebäude, liegt ein Geschäftsviertel, das sich über vier kleine Straßen erstreckt. Dort wird es ein breites Einkaufsangebot aus bekannten Marken und vielen kleinen individuellen Geschäften und natürlich den Cafés geben, die das Flanieren so schön machen.  

Dieser Teil des Überseequartiers ist luftig überdacht: Werner Sobek hat eine eindrucksvolle Glas-Konstruktion entwickelt, die aussieht, wie ein zarter durchscheinender Regenschirm, der auf rund 15 Meter Höhe über den Gehwegen schwebt.  Wer durch dieses Viertel schlendert, dem bleibt beim Blick in die Schaufenster und dem Streifen durch die Straße immer auch das Gefühl für das Wetter.  Und weil hier am Überseequartier, so mancher Westwind durch die Gegend fegt, sind Gebäude so ausgerichtet, das sie den Wind abfangen können und die Spaziergeher schützen.

Das alles zusammen sind Bedingungen, die wir bislang so nicht haben: Es wird rund um die Uhr, an jedem Tag der Woche (und auch bei Regen und Wind) sehr einladend sein, hier vorbei zu kommen. Diese offenen Struktur, die verschiedenen Angebote und die attraktive Lage direkt an der Elbe geben der ganzen HafenCity nochmal einen neuen Schwung.  

International anerkannte Architekten und die besten Ingenieure Europas bauen dieses Quartier. Es ist sowohl städtebaulich als auch architektonisch eine Innovation. Es wird ein Vorbild für andere europäische Zentren werden.

Hier entsteht ein Quartier, auf das die Hamburger einmal sehr stolz sein werden.

Vielen Dank

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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