Olaf Scholz
05.04.2017

Grußwort: Ausstellung Stadtentwicklung Hamburg

 

Sehr geehrter Herr Vize-Gouverneur Bondarenko,
sehr geehrter Herr Wondarenko,
sehr geehrte Frau Generalkonsulin,
sehr geehrte Damen und Herren,

heute Morgen erst bin ich von der Elbe an die Newa gereist – jetzt möchte ich Sie von der Newa an die Elbe locken, zumindest in Gedanken. Vielen Dank für die Einladung und für die Möglichkeit, Ihnen auf dem Expo-Forum unsere Ausstellung zur Stadtentwicklung zu präsentieren. Ich komme immer wieder gerne nach St. Petersburg – und dass unsere Städtefreundschaft 2017 nun schon 60 Jahre alt wird, ist ein besonders schöner Anlass.


St. Petersburg und Hamburg haben mehr gemein als die Lage am Fluss, den Welthafen und schöne Weltkulturerbe-Stätten. Es sind die Zukunftsthemen einer wachsenden, modernen Metropole, die uns gleichermaßen beschäftigen und für die das Expo-Forum in St. Petersburg ein herausragender Partner ist: Da geht es um die Gewinnung von Flächen und das Schaffen von Wohnraum; um Mobilität, Nachhaltigkeit und die Energiewende; um ein gutes Bildungsangebot und Fragen des Zugangs aller Bürgerinnen und Bürger zu den Chancen, die eine große Stadt bietet.

Hamburg hat seit 2011 das größte Wohnungsbauprogramm in Deutschland gestartet. Wir entwickeln ganze Quartiere und Stadtteile neu  entlang der Wasseradern, die Hamburg durchziehen. Die Hafencity ist sicherlich das prominenteste Beispiel – besonders seit wir die Elbphilharmonie eröffnet haben, die Sie jetzt in einem interaktiven Modell in der Eremitage besichtigen können. Aber es gibt viele andere aufregende Vorhaben.

So bauen wir zum Beispiel über der Autobahn, die durch unsere Stadt Richtung Skandinavien führt, einen Deckel, der den Lärm reduziert, neue Grünflächen und in den angrenzenden Gebieten Platz für weitere Wohnungen schafft. In Hamburg-Altona, wo ich selber wohne, entsteht auf einem früheren Bahngelände ein ganz neues familienfreundliches Viertel: mit viel Grün, Spielplätzen, Läden, Kitas und barrierefreien Wegen, so dass auch Menschen mit Behinderungen gut dort leben können. Und mit einem modernen, nachhaltigen Verkehrskonzept – das bedeutet: exzellenter Anschluss an den Öffentlichen Nahverkehr, Versorgung mit Carsharing und E-Mobilität, gut ausgebaute  Fahrrad- und Gehwege.


Hamburg ist eine attraktive Stadt mit vielen innovativen Arbeitsplätzen. Das zieht vor allem junge Leute an. Darüber freuen wir uns. Aber was in anderen tollen Städten passiert – dass nämlich die Mieten wegen der hohen Nachfrage in die Höhe gehen und für viele nicht mehr bezahlbar sind, dass also Familien und die mittleren und unteren Einkommensschichten aus den Zentren verdrängt werden –, eine solche Entwicklung  wollen wir in Hamburg nicht.

Unsere Nachbarschaften sollen auch in Zukunft so gemischt sein, dass man überall Leute treffen kann, die deutlich mehr oder weniger verdienen als man selbst. Auch in begehrten Lagen muss es für fast alle bezahlbare Wohnungen geben. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, das nur wenige Städte auf der Welt erreichen werden.

Hamburg wird dazu gehören. Deshalb tun wir zweierlei – erstens: Wir erhöhen das Angebot, indem wir sowohl verdichten wie auch neue Flächen identifizieren. „Mehr Stadt in der Stadt“ und „Mehr Stadt an neuen Orten“ nennen wir dieses Konzept. Und zum anderen: Wir halten einen Teil der Mieten durch staatliche Förderung auf einem Niveau, das sich fast jeder leisten kann. Überall, wo wir bauen, halten wir uns an einen speziell Hamburgischen Drittelmix: ein Drittel Eigentum, ein Drittel frei vermietbar, ein Drittel gefördert. Das hat sich bewährt.    

Meine Damen und Herren,
Hamburg ist eine offene Stadtgesellschaft mit einer starken Kultur demokratischer Partizipation und einer Vielzahl an Lebensformen. Wir verstehen uns als Ankunftsstadt: Aus ganz Deutschland, aber auch aus Europa und der ganzen Welt ziehen Menschen hinzu – schon heute hat jeder dritte Hamburger, jede dritte Hamburgerin eine Migrationsgeschichte. Das hat unsere Stadt vielfältiger und in mancherlei Hinsicht aufregender gemacht. Denn auch wenn die New York Times Hamburg als Architektur-Highlight auf Platz 10 seiner weltweiten Reiseempfehlungen gesetzt hat, so sind es letztlich doch vor allem die Menschen, die der Stadt ein freundliches Gesicht geben.

Liebe St. Peterburger und St. Petersburgerinnen,
wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, was ich hoffe, dann schauen Sie doch einmal vorbei bei uns an der Elbe. Ich verspreche Ihnen, nicht nur  die Elbphilharmonie ist in Natur noch viel beeindruckender als im Modell. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Vielen Dank.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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