Olaf Scholz
07.04.2017

Grußwort zum Senatsempfang 50 Jahre Jugendfeuerwehr

 

Sehr geehrte Frau Staatsministerin,

sehr geehrte Frau Vizepräsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,

sehr geehrter Herr von Appen,

sehr geehrte Frau Cholewa,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich habe großen Respekt vor den Frauen und Männern der Feuerwehr. Vor ihrem Mut, sich in beängstigende Situationen zu begeben, und vielleicht noch mehr vor ihrem Können, ihrer Erfahrung und der ruhigen Überlegtheit, ohne die sie ihre Arbeit nicht ausführen könnten.

In einer Großstadt wie Hamburg kommt es ja öfter zu gefährlichen Zwischenfällen, als man vermutet. Man muss sich nur mal die Meldungen aus dem März anschauen:

  • In der Hafencity rettete die Feuerwehr zwei Arbeiter von einem brennenden Lagerdach;
  • in Curslack löschte sie ein Reetdachhaus;
  • in Sasel wäre ein in Schieflage befindlicher Lkw, beladen mit zehn Tonnen Schotter, beinahe umgekippt.  
  • Die Feuerwehr beseitigte eine Erdgas-Leckage in einer Bergedorfer Schule und nach dem Sturmtief Eckhart umgestürzte Bäume, umgewehte Bauzaune und ein einstürzendes Baugerüst.
  • In Waltershof wird ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt,
  • und an der Wandsbeker Chaussee half sie bei einer plötzlichen Entbindung.

86 Freiwillige Feuerwehren arbeiten in Hamburg Hand in Hand mit der Berufsfeuerwehr. 60 von ihnen unterhalten eine Jugendfeuerwehr und sechs eine Minifeuerwehr für den kleinen Nachwuchs ab fünf Jahren. Das ist ein großartiger ehrenamtlicher Einsatz und ein starkes Vorbild für Jugendliche und Kinder, die schon früh Verantwortung übernehmen und sich für das Wohl anderer stark machen.

Deshalb ist es auch nur angemessen, wenn wir den 50. Geburtstag der Jugendfeuerwehr Hamburg heute im Großen Festsaal, dem prächtigsten Raum unseres Rathauses, feiern – herzlich willkommen! Schön, dass Sie unsere Einladung angenommen haben.

„Von unseren Jugendfeuerwehrmännern erwarten wir Hilfsbereitschaft gegenüber dem Nächsten, Aufgeschlossenheit gegenüber der Technik und eine selbstauferlegte Disziplin innerhalb der Gemeinschaft der Jugendfeuerwehren.“


Das schrieb der Alster-Anzeiger am 14. April 1967. Zwei Wochen zuvor war in Wellingsbüttel die erste Hamburger Jugendfeuerwehr gegründet worden. An den Erwartungen hat sich nicht viel geändert: Hilfsbereitschaft, technisches Interesse, Disziplin und der Wille mit anzupacken sind 2017 so wichtig wie 1967.

Darin stecken Herausforderungen und Chancen. In den Jugendfeuerwehren können die Kinder und Jugendlichen Technik anfassen und ausprobieren. Das ist wie praktischer Chemie- und Physikunterricht, nur ohne lästige Klassenarbeiten, und ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung der   Persönlichkeit.

So steht es auch in der Jugendordnung: Die Feuerwehren sollen an gesellschaftliche Mitverantwortung heranführen, demokratisches Bewusstsein schärfen, zu Fairness und Toleranz erziehen. Und die Gleichberechtigung fördern. An dieser Stelle ist der Artikel aus dem Alster-Anzeiger von 1967 natürlich nicht mehr aktuell. Seit über 25 Jahren gehören Mädchen dazu und tragen auch in Führungspositionen Verantwortung. Ein Viertel der Jugendfeuerwehr ist heute weiblich – deutlich mehr als bei der Berufs- oder Freiwilligen Feuerwehr.

Meine Damen und Herren, liebe Jugendliche,
vor 50 Jahren ist die Nachwuchsorganisation der Freiwilligen Feuerwehr gestartet. Seit 1972 ist die Jugendfeuerwehr anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Inzwischen hat nur etwa die Hälfte der Jugendarbeit, die 2016 auf weit über 60.000 geleistete Stunden kam, tatsächlich mit klassischer Feuerwehrarbeit zu tun.

Allgemeine Jugendarbeit, Zeltlager und Ausfahrten, Basteln oder Kochen gehören genauso zum Programm wie eine ordentliche Erste-Hilfe-Ausbildung. Jugendfeuerwehren machen bei „Hamburg räumt auf“ mit, unterstützen den Naturschutz und helfen ganz selbstverständlich bei Stadtteil- und Kinderfesten. Ohne die 60 Jugendfeuerwehren wäre Hamburgs Stadtteilkultur und außerschulische Jugendbildung kaum vorstellbar.

Toll, dass Ihr das macht! Und auch dass Ihr Euch als Jugendsprecherinnen und -sprecher zur Wahl gestellt habt. So könnt Ihr nun selber mitbestimmen, wie die Jugendfeuerwehr in Zukunft aussehen soll und wo sie sich – die Älteren hören jetzt mal kurz weg – vielleicht von dem Gewohnten unterscheiden könnte. Dass Ihr Eure eigenen Ideen einbringt und auch für sie kämpft, das ist ganz wichtig, damit eine Organisation wie die Jugendfeuerwehr lebendig bleibt und sich weiterentwickelt. Und genauso braucht es den Rückhalt der Älteren, ihre Erfahrung und Beständigkeit, damit die Jugendfeuerwehr auch in den nächsten 50 Jahren noch funktioniert und den Nachwuchs zu begeistern vermag.

Deshalb bedanke ich mich ganz herzlich bei allen, die zum Erfolg der Jugendfeuerwehr beitragen. Vielleicht findet ja später der oder die ein oder andere von den „Orange-Blauen“ im Saal und in den Jugendgruppen nach einer ereignisreichen Zeit in der Jugendfeuerwehr den Weg in eine Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr oder macht sein Hobby sogar zum Beruf. Aber vorher wünsche ich allen noch viel Spaß und eine sichere Heimkehr von den Einsätzen.

Beenden möchte ich meinen Glückwunsch mit einem Gedicht von Joachim Ringelnatz, das den Titel „Der Funke“ trägt und mir wie gemacht für diesen Anlass vorkommt:

     Es war einmal ein kleiner Funke!

     Das war ein großer Erzhalunke.

     Er sprang vom Herd und wie zum Spaß

     Gerade in ein Pulverfass.

     Das Pulverfass, das knallte sehr;

     Da kam sofort die Feuerwehr

     Und spritzte dann mit Müh und Not

     Das Feuer und das Fünkchen tot.


Vielen Dank

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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