Olaf Scholz
17.05.2017

Senatsfrühstück anlässlich des 70. Geburtstages von Rolf Zuckowski

 

Sehr geehrter Herr Zuckowski,
sehr geehrte Damen und Herren,

es gibt viele Wortschöpfungen in der Musik, die sich verselbstständigt und es in das kollektive Gedächtnis geschafft und mit denen sich die Künstler und Künstlerinnen unsterblich gemacht haben.

Sie glauben mir nicht?

Eine berühmte, fast Hamburger Band, die Beatles, sang die magischen Worte

 

„Obla di, obla da
Life goes on, brah
La-la, how the life goes on.”


Übersetzt: Obla di obla da, das Leben geht weiter, la la, das Leben geht weiter.

Hören Sie, wie Sie den Song im Kopf haben?

Und es gab mal eine Zeit in der das Lied „da da da, ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht“ zu einem Furor darüber führte, ob die Spitze der Sinnlosigkeit in der deutschen Lyrik erreicht ist.

Heute wissen wir, bei weitem nicht und „da da da“ ist längst zu einem Klassiker geworden.

Und heute möchten wir einem Mann gratulieren, der hunderte von Kindern dazu ermutigt hat, ein Instrument zu lernen. Un das mit den Worten:

„Tweety, tweedelee Tweety,
eine Gitarre ist wie ein Freund.
Tweety, tweedelee Tweety,
sie fühlt genau, ob man lacht oder weint.“


Lieber Rolf Zuckowski, ich kenne Kinder, die haben ihre Eltern genötigt bei Besuchen in unserer Hansestadt auch einen Abstecher nach Blankenese zu machen.
Nicht um das Treppenviertel zu besuchen (denn wir wissen, die Treppe ist der natürliche Feind eines Kindes bei einem Spaziergang) oder den Blick auf die Elbe zu genießen. Nein, sie verpflichteten die Familie Blankenese zu besuchen … weil Rolf Zuckowski da irgendwo wohnt.

Wir alle wissen, dass Musik und die musische Bildung  ein integraler Bestandteil der Bildung von Kindern sein sollte, führt doch der Umgang mit Musik und Kultur im Allgemeinen zu einem vollen, aufgeklärten und reicheren Leben in Selbstbestimmung und Achtung.

„Wer Gitarre spielen kann, prügelt sich nicht!“ sagte einmal der Gitarrist der Sex Pistols, wer weiß das besser als er.

 

Und wir möchten Ihnen heute ausdrücklich dafür danken, dass Sie für jetzt fast schon drei Generationen von Kindern den Weg in die Musik erst ermöglicht und geebnet haben.

Vielleicht haben Sie nie gelebt wie die Rolling Stones in den 60ern. Glamourös und gefährlich. Das wissen wir nicht. Aber durch Ihre Arbeit und Ihr kompositorisches Schaffen, haben Sie es nahe an den Kern der Kunst geschafft.

Das eigene Ich in den Hintergrund rücken um das Leben der Kunstliebhaber für immer zu verändern, reicher und schöner zu machen.

 

Seien wir ehrlich, eine total verwüstete Küche mit teigverschmierten Kindern im Dezember ist ohne die Worte

„In der Weihnachtsbäckerei
gibt es manche Leckerei
zwischen Mehl und Milch
macht so mancher Knilch
eine riesengroße Kleckerei.“


nicht mehr vorstellbar in diesem Land.

 

Und auch wenn manchmal Eltern genervt ihre Augen verdrehen, weil ein Kind zum zehnten Mal schreit „nochmal!“, nach dem ein Song von Ihnen zu Ende ist, möchten wir Ihnen danken, dass Sie zum Erziehungsalltag immer wieder das passende Lied komponiert haben.

Wenn wir auf Ihre Karriere zurück schauen, dann steht da als erstes die Beatband „the Beathovens“. Naja, wenn ich über den Namen so richtig nachdenke, scheint mir dann doch fast, dass auch Sie glamourös und gefährlich gelebt haben wie Mick Jagger.

Wir denken an Tabaluga, an Ihre unzähligen goldenen  und Platin ausgezeichneten Schallplatten, Ihr ehrenamtliches Engagement für Kinderhospize und die Konzertreisen durch die ganze Welt, um hier nur einige Episoden aufzuzählen.

 

Und wir müssen feststellen, dass die Welt, während Sie die ganze Zeit Musik gemacht haben, eine völlig andere geworden ist.

Kinder hören ihre Musik nicht mehr über verkratzte Schallplatten, sondern sie hören sie jetzt über Smartphones. Dann filmen sie sich dabei, wie sie Zuckowski-Lieder singen und verschicken diese per Whats app an die ganze Familie, die gerührt das Filmchen anschaut…und ein „LIKE“ zurückschickt.

Früher wurden Kinder noch gezwungen, unter dem Weihnachtsbaum zu singen, „SONST GIBTS KEINE GESCHENKE!“.

 

Vieles ist anders geworden, manches besser, manches schlechter, und immer noch und immer wieder singen Menschen Zuckowski-Lieder, die mit ihren Texten und ihrem Klang der Klebstoff sind, mit denen Familien sich als familiär begreifen.

Viel wird in diesen Zeiten, in denen wir Flüchtende mit anderen kulturellen Horizonten  integrieren müssen, darüber diskutiert, was deutsch ist, was unsere Kultur auszeichnet und was unsere Kultur verbietet.

Wichtige Fragen müssen streitbar verhandelt und beraten werden, um zu einer Lösung zu kommen, die unser Land auf festen liberalen und demokratischen Säulen älter werden lässt ,und uns als Gesellschaft weiter verbindet und eint und nicht auseinander driften lässt und trennt.

Es sind schwierige und manchmal schmerzhafte Fragen, denen wir uns stellen müssen und die auch zu recht an uns Politiker gestellt werden. Es ist kompliziert, aber manchmal kommt ein Lösungsansatz aus der kleinsten Idee, die auch aus einem Kindermund kommen könnte: „In Deutschland darf jeder mitmachen, der aus lauter Kehle und offenem Herzen die Lieder von Rolf Zuckowski singen kann!“

Und auch ich möchte mich heute eintragen in die Liste der Strophen des längsten Liedes der Welt „Und ganz doll mich“ von Rolf Zuckowski mit 27.392 Strophen:

 

„Ich mag den ICE von Berlin nach Haus.

HSV und St. Pauli mag ich auch.

Ich mag die Elphi und ich mag die Steuer,

ja ich weiß, sie war ein wenig teuer.

Ich mag den Dom und Planten und Blomen,

bitte bleiben Sie hier immer wohnen.

Ich mag Blankenese und den Hamburger Berg.

Ich mag regieren auch wenn es manchmal nervt.

All das mag ich - und ganz doll DICH!“


Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Rolf Zuckowski!

 

Es gilt das gesprochene Wort.

zurück zur Liste

JETZT IM BUCHHANDEL

OLAF SCHOLZ

HOFFNUNGSLAND
Eine neue deutsche Wirklichkeit