Olaf Scholz
16.06.2017

Grußwort zur Taufe der „Guayaquil Express“ von Hapag Lloyd

 

Sehr geehrte Frau Kühne,
sehr geehrter Herr Kühne,
Sehr geehrter Herr Behrendt,
sehr geehrter Herr Habben Jansen,
sehr geehrte Frau Titzrath,
sehr geehrter Herr Yoon,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ein Schiff zu taufen ist selbst für den Bürgermeister einer bedeutenden Welthafenstadt immer etwas Besonderes. Ich überbringe Ihnen die besten Wünsche des Senats für die Fahrt der „Guayaquil Express“ wirklich sehr gerne.  

Hapag-Lloyd und seine Partner sind aus Hamburg und dem Hamburger Hafen nicht wegzudenken. Der Anteil von Hapag-Lloyd am Containertransport liegt bei etwa 15 Prozent, gemeinsam mit seinen Partnern kommt Hapag-Lloyd sogar auf 40 Prozent. Sie haben also einen Löwenanteil an unserem Containerumschlag, oder, um im Bild zu bleiben, einen Seelöwenanteil, denn die richtigen Löwen sind bekanntlich ziemlich schlechte Schwimmer.

 

Aber nicht nur solche Zahlen freuen uns im Rathaus. Sondern auch, dass die jetzt im Mai vollzogene Fusion mit der United Arab Shipping Company die ganz großen Schiffe, die Ultra Large Container Vessels, nach Hamburg bringt. Zu der noch recht jungen Flotte der United Arab Shipping zählen bereits elf Schiffe der 15.000-TEU-Klasse  und sechs der Klasse ab 18.800 TEU.

Und alle diese Ultra-Schiffe sind mit umweltschonender Technik ausgestattet: Ihr CO2-Ausstoß ist minimiert, der Antrieb auch für den Betrieb mit Flüssiggas vorbereitet.

Es ist wichtig, rechtzeitig in Innovationen zu investieren. Der Hamburger Hafen ist bei der Digitalisierung ein Vorreiter. Das Containerterminal Altenwerder gehört zu den modernsten der Welt. Seine hohe Effizienz ist das Ergebnis hochgradiger Automatisierungs- und Digitalisierungsprozesse.

In Hamburg kann die Schifffahrt auf exzellente Hafeninformationsdienste zurückgreifen. Sie sorgen für einen schnellen, reibungslosen Ablauf der Prozesse und des Datenaustausches. Schon seit Jahrzehnten werden bei uns Transportabläufe vom Schiffszulauf bis zur Auslieferung der Ware an die Kunden durch zahlreiche Software- und IT-Dienstleistungen digital unterstützt. Die Hamburg Port Authority hat mit „Smart Port“ ein wegweisendes Projekt angestoßen. Und sie arbeitet immer weiter an einer noch besseren Verknüpfung des Verkehrs und der Infrastruktur mit den Warendaten. So wird es möglich, dass ein Sattelschlepper erst dann an das Terminal rollt, wenn der für ihn bestimmte Container auch tatsächlich abholbereit ist. Damit werden wir unnötige Wartezeiten, Staus und Schadstoffemissionen deutlich reduzieren.

Wir sind aber nicht die einzigen, die sich anstrengen. Gerade Hapag-Lloyd hat enorm in die Zukunft investiert und die „Guayaquil Express“ für die umweltfreundliche Stromversorgung ausgerüstet: Wenn der Hilfsdiesel an Bord abgeschaltet ist, kann der Strom von Land über einen Spezialcontainer im Heck kommen.

Die Wirtschaftsnation Deutschland braucht einen Seehafen, der im weltweiten Wettbewerb mit Rotterdam und Antwerpen oder den expandierenden Häfen am Mittelmeer bestehen kann. Und dieser Hafen ist Hamburg. Über alle Jahrhunderte hinweg hat jeder Senat dafür gesorgt, dass unser Hafen auf der Höhe der Zeit ist und der Fluss schiffbar bleibt. Und das machen wir auch.

Es ist gut, dass das Bundesverwaltungsgericht im Februar den bei weitem überwiegenden Teil des Planfeststellungsbeschlusses zur Fahrrinnenanpassung anerkannt hat. In diesen Monaten sind wir nun dabei, die verbliebenen, vom Gericht noch gestellten Aufgaben zu lösen. Damit kommen wir gut voran. So haben wir jetzt für den Schierlings-Wasserfenchel eine weitere offensichtlich geeignete und mögliche Ausgleichsfläche auf der Billwerder Insel identifiziert. Dort werden nun mehrere alte, nicht mehr in Betrieb befindliche Speicherbecken der Hamburger Wasserwerke an das Tidegeschehen angeschlossen. Mit Prielen, Wattflächen und Inseln werden die Speicherbecken so gestaltet, dass sie in Zukunft gute Lebensbedingungen für den Schierlings-Wasserfenchel bieten werden. Wir haben die EU-Kommission über diese zusätzliche Ausgleichsmaßnahme unterrichtet. Die Naturschutzverbände werden zügig zu einem Gespräch über die Maßnahme eingeladen.   

Damit sind wir einen großen Schritt vorangekommen. Fest steht: Die Fahrrinnenanpassung kommt. Die Vertiefung und teilweise Verbreiterung der Elbe wird die Passage von Schiffen, die fast doppelt so viel laden können wie die schöne „Guayaquil  Express“, möglich machen.

Für den Hamburger Hafen und für die ganze Stadt ist es von großer Bedeutung, dass  der Unternehmenssitz von Hapag-Lloyd mit seinen vielen Arbeitsplätzen in Hamburg bleibt. Deshalb möchte ich mich hier noch einmal bei der Reederei Hapag-Lloyd und ihren Partnern für das Vertrauen in den Standort Hamburg bedanken.

Und noch etwas ist erwähnenswert, weil es heute leider nicht mehr selbstverständlich ist: Die „Guayaquil Express“ fährt unter deutscher Flagge – ebenso wie ihre vier Schwesterschiffe der „Valparaiso Express“-Klasse und zahlreiche weitere Schiffe der Reederei Hapag-Lloyd. Die deutsche Flagge ist eine überall anerkannte Qualitätsflagge. Sie schreibt ein besonders hohes Niveau bei der Schiffssicherheit, beim Umweltschutz und bei den Arbeits- und Lebensbedingungen der Seeleute vor. Es geht also nicht nur um Tradition oder heimatliche Gefühle, obwohl auch die wichtig sind – es geht darum, dass unsere hohen Standards  auch auf den Weltmeeren gelten. Auch die Ausbildung junger Nachwuchskräfte für die deutsche Schifffahrt läuft überwiegend unter deutscher Flagge. Über diese Verbundenheit mit dem Standort Deutschland freuen wir uns in Hamburg sehr.  

Die „Guayaquil Express“ wird von heute an Hamburgs neue Botschafterin auf den Weltmeeren sein. Sie wird im Europa-Südamerika-Verkehr fahren und damit eine gute Hamburger Tradition fortsetzen. Wir pflegen seit Jahrhunderten enge Beziehungen mit Südamerika. 1827 hat Hamburg als erste Stadt Europas die jungen Staaten Lateinamerikas anerkannt und Handelsbeziehungen etwa zu Brasilien oder Mexiko aufgebaut. Und nach dem großen Brand von 1842, bei dem jeder fünfte Hamburger sein Haus verlor, haben unsere lateinamerikanischen Handelspartner uns mit großzügigen Spenden beim Wiederaufbau geholfen. Auch das soll nicht vergessen sein.

Meine Damen und Herren,
Guayaquil zählt vermutlich nicht zu den Städten, die jeder bei uns kennt. Aber das ändert sich jetzt sicher – immerhin ist Guayaquil die größte Hafenstadt Ecuadors mit etwa drei Millionen Einwohnern. Dass der Name dieser Stadt auf eine Göttin zurückgeht, die dort in einer Quelle wohnt – also für die Wasserversorgung zuständig ist-, das kann uns nur sympathisch sein, denn auch in Hamburg geht es gern mal feucht bis nass zu. Und außer Ihnen, lieber Herr Kühne, haben sicher auch noch nicht viele davon gehört, dass es in Guayaquil ein Fußballstadion gibt, in das genauso viele Zuschauer passen wie in unser Volksparkstadion. Es gibt dort auch zwei Erstligaclubs, die zuletzt auf den Plätzen drei und vier gelandet sind. Guayaquil ist für ein Hamburger Schiff also in vielerlei Hinsicht eine gute Namensgeberin.

Bevor Ihre Gattin jetzt freundlicherweise ihr Amt als Taufpatin übernimmt, möchte ich Ihnen, Herr Kühne, noch einmal für Ihr vielfältiges Engagement in Hamburg danken. Es ist vorbildlich, und es ist für unsere Stadt von herausragender Bedeutung. Dem HSV halten Sie jetzt schon seit Jahren trotz mancher Rückschläge die Treue. Eine andere Herzensangelegenheit, die Kühne Logistics University, hat sich längst zu einer weithin hoch angesehenen Adresse entwickelt. Und ich bin mir sicher, dass auch die „Guayaquil Express“ in die Zukunft und auf den Meeren gut unterwegs sein wird.

Ich wünsche der „Guayaquil Express“ und ihrer Besatzung allzeit gute Fahrt!

Vielen Dank

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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