Olaf Scholz
11.09.2017

Grußwort: Haspa Gründerpreis Lebenswerk an Eugen Block

 

Sehr geehrter Herr Dr. Vogelsang,
sehr geehrter Herr Präses,
sehr geehrter Herr Haider,
sehr geehrte Nominierte,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

Hamburg hat herausragende Gründer, das zeigt der Haspa-Preis auch in diesem Jahr wieder. Sich auf dem umkämpften Telekommunikationsmarkt einen Platz zu erobern, das ist stark. Auch das junge Start-up beeindruckt mich. Eine smarte, integrierbare Luftüberwachung, leicht händel- und gut bezahlbar – was für eine tolle Idee. Und nicht nur eine Idee: Das funktioniert auch, technisch wie als Geschäftsmodell. Ich bin begeistert und gratuliere beiden Preisträgern herzlich!

Womit ich nun zum Ehrenpreis für das Lebenswerk komme.

Lebenswerk – schon der Begriff flößt Respekt ein. Das ist auch angemessen. Wer für ein unternehmerisches Lebenswerk geehrt wird, der kriegt ja gewissermaßen drei Preise in einem: Schließlich war er früher einmal ein höchst erfolgreicher Gründer, danach ein herausragender Aufsteiger – und beides über die Jahre meistens viele Mal, bis irgendwann etwas vorhanden ist, das sich Lebenswerk nennen darf.

Auch über unseren Preisträger kann man sagen, dass er bis heute nicht so richtig vom Gründen lassen kann. Immer wieder bringt er neue Projekte auf den Weg und führt sie mit großer Beharrlichkeit zum Erfolg.

Daran haben viele Menschen Freude. Denn die Produkte, die unser Preisträger zu seinem Markenzeichen gemacht hat, verschaffen auf eine sehr direkte und analoge Weise Genuss. Dabei sprechen sie viele Sinne an: das Ohr, wenn es brutzelt und zischelt; die Nase, wenn der Duft von scharf Angebratenem aufsteigt; das Auge, wenn es das begehrte Stück auf dem Teller kennerisch taxiert. Der Geschmackssinn spielt natürlich eine Hauptrolle, aber auch das Haptische kommt zum Zuge, weil die Textur ganz erheblich zum Genuss beiträgt.

Meine Damen und Herren,
sollte Ihnen jetzt der Magen anfangen zu knurren, bitte haben Sie noch etwas Geduld. Es gibt nachher ein Buffet, das sicherlich ganz fein ist, und ich werde nicht weiter über dieses Thema reden. Das muss ich auch nicht, denn der Preisträger ist vielseitig. Erst vor wenigen Jahren hat er zum Beispiel vorgemacht, wie man auf dem Gebiet traditioneller Flüssignahrung in Hamburg Maßstäbe setzt.

Zugegeben, der Mann mag es deftig. Aber er hat auch eine vornehme Seite, die eine echte Herzensangelegenheit und mit fünf Sternen  versehen ist.

Schon als junger Mann träumte der Preisträger  davon, die Welt in einem schönen Haus zu empfangen. Dafür musste er aber erst einmal selbst in die Welt hinausgehen. Also verließ er seine frühere Heimat im Oldenburger Münsterland, ging nach Paris, London, New York und lernte dort sein Handwerk von der Pike auf.

Aus New York brachte er seine erste große Geschäftsidee mit nach Hamburg. 1968 setzte er sie um, zunächst einmal in Winterhude, später an vielen anderen Orten. 1972 begann er, das Grundmaterial seines Erfolgs auch unverarbeitet anzubieten – bis heute ist die Nachfrage ungebrochen.  

1985 dann erfüllte unser Preisträger sich endlich seinen Traum vom eigenen Sterne-Haus. Auch hier galt: höchste Qualität und – ja, das hat sich ebenso herumgesprochen –  äußerste Penibilität.  Die Anekdoten, die man sich darüber erzählt, handeln zum Beispiel von gewissen Teppichfarben oder von Löchern im Salzstreuer, deren Größe der Chef schon mal zu seiner persönlichen Angelegenheit machen kann. Wer schon einmal  durch unpassende Utensilien sein Essen versalzen hat, der weiß, wie dankbar man als Gast für diese väterliche Fürsorge sein muss.

Inwieweit der Preisträger nun wegen oder trotz dieser Eigenheiten Erfolg hatte, ist nicht belegt. Gesichert ist aber, dass die Holding heute 17 Unternehmen und 2.300 Mitarbeiter umfasst. Mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes wird inzwischen im Ausland erwirtschaftet. Dennoch konnte die Unternehmensgruppe ihren Umsatz in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppeln.

Der Erfolg hat viele Gründe: Der Preisträger blieb  bewährten Konzepten treu, reagierte dabei aber sensibel auf veränderte Anforderungen und wagte immer wieder Neues. Als Arbeitgeber ist er familienfreundlich und beliebt, als Ausbildungsbetrieb gefragt. Darüber freuen wir uns in Hamburg genauso wie über das soziale und kulturelle Engagement seiner Unternehmensgruppe.

Meine Damen und Herren,
die guten Rahmenbedingungen, die wir in Hamburg für Gründer schaffen, zeigen ihre Wirkung. Hamburg darf sich heute als deutsche Gründungshauptstadt bezeichnen. Das hat der jüngste Gründungsmonitor der Kreditanstalt für Wiederaufbau ergeben – eine gute Nachricht für alle, die Hamburg voranbringen wollen.

Dabei vergessen wir nicht, dass jede Zeit ihre eigenen Talente braucht und hervorbringt. Man tritt dem Preisträger sicher nicht zu nahe, wenn man ihn als  Unternehmer alter Schule – und zwar guter alter Schule – bezeichnet: stetig und beharrlich, neugierig und auf höchste Qualität bedacht, fürsorglich gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.  

Es ist eine große unternehmerische Lebensleistung, die wir heute ehren. Ich gratuliere dem Preisträger und seiner Familie sehr herzlich!

Der Hamburger Haspa-Gründerpreis für das Lebenswerk 2017 geht an – Sie ahnen es bestimmt – Film ab!

Und vielen Dank.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

 

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