Olaf Scholz
09.10.2017

Grußwort: Senatsempfang zur Verleihung des Hamburger Stiftungspreises

 

Sehr geehrter Herr Dr. Passarge,
sehr geehrte Frau Schäfer,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Stiftungen,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

herzlich willkommen im Rathaus!
Willkommen zur sechsten Verleihung des Hamburger Stiftungspreises!

Dass wir in unserem schönen Festsaal Stifterinnen und Stifter empfangen, die sich um Hamburg verdient machen, ist ein guter Brauch, und da Hamburg Deutschlands Stiftungshauptstadt ist, kommt dies gar nicht mal selten vor. Das ist ein großes Glück für unsere Hansestadt. Aber wo – wie in Hamburg – viel Potential für Stiftungen ist, da liegt auch eine Verantwortung, daraus etwas zu machen. Stiften ist ein anspruchsvolles Unterfangen. Gerade junge Stifter brauchen oft Rat und Unterstützung, am besten von denen, die schon Erfahrung haben.

Die Förderer fördern – das ist die Idee hinter dem Hamburger Stiftungspreis. Die Herausforderungen für Stiftungen wachsen. Die großen gesellschaftlichen Umbrüche und die Folgen der weltweiten Krisen sind auch bei uns direkt spürbar und stellen alle, die Gutes tun wollen, vor vielfältige Aufgaben. Durch die Niedrigzinsen sind neue Finanzierungsfragen aufgetaucht. Dass potentielle Stifter sich über eine Gründung heute oft schon in mittleren oder jungen Jahren Gedanken machen,  ist gut, erfordert aber einen zweiten Blick auf altbewährte Strukturen. Die Förderer fördern – das ist ein wichtiges Anliegen, damit  Stifter den Mut finden, ihre Ideen auch umzusetzen.

Deshalb haben die Stadt Hamburg und der Verein „Gesellschaft Harmonie von 1789“ sich zusammengetan, um gemeinsam einen Preis für besonders innovative und überzeugende Stiftungsprojekte zu vergeben. Dass die Zusammenarbeit gut klappt, dafür bedanke ich mich sehr herzlich bei der „Gesellschaft Harmonie von 1789“. Mein Dank gilt auch der Jury und allen anderen, die dieses Vorhaben unterstützen.

 

Meine Damen und Herren,
auf dem Weg zum Festsaal sind Sie durch unsere schöne Rathausdiele gekommen. Es gehört zum Selbstverständnis unserer Bürgergesellschaft, dass der Eingang zum Rathaus meistens für Besucher geöffnet ist und dass die besonderen Plätze an den Säulen der Eingangshalle für  Bürgerinnen und Bürger der Stadt reserviert sind. Auf den 56 Reliefporträts sind Männer und Frauen abgebildet, die sich um Kultur, Wissenschaft, Bildung oder die Unterstützung der Armen und Kranken verdient gemacht haben. Dass damals nur vier Frauen geehrt wurden, das würden wir heute natürlich anders entscheiden. Aber die Grundidee stimmt immer noch.

In Hamburg gehören Freiheit und Verantwortung zusammen. Stiftungen erfüllen wichtige Aufgaben im Interesse der Allgemeinheit. Sie tun dies in eigener Regie und nach eigenem Ermessen. Insofern sind Stiftungen zugleich Ausdruck und Motor unserer freiheitlichen Bürgergesellschaft.  

Etwa 9,5 Milliarden Euro beträgt das Gesamtvermögen der Hamburger Stiftungen. Hinter dieser Zahl verbergen sich eine gewaltige gesellschaftliche Kraft und ein beeindruckender Reichtum an Ideen und Projekten. Was ich damit konkret meine, wird sich gleich von selbst erklären, wenn ich die Nominierten vorstelle. Es sind sechs Stiftungen von 55, die sich um den Stiftungspreis beworben haben. Damit hat sich die Bewerberzahl im Vergleich zur letzten Preisverleihung 2014 um 60 Prozent erhöht. Das ist ein großes Kompliment für den Preis und die Stiftungsstadt Hamburg.

Und jetzt möchte ich Ihnen die sechs nominierten Stiftungen vorstellen:

  1. Die „Albertinen-Stiftung“ wurde 2004 vom Albertinen-Diakoniewerk gegründet. Noch im selben Jahr hob sie das Projekt „Herzbrücke“ aus der Taufe. Es ruht im Wesentlichen auf zwei Pfeilern: der medizinischen Hilfe für herzkranke Kinder in Afghanistan und der Weiterbildung afghanischer Ärzte in Hamburg. In der Regel fliegen ein Arzt und zwei Intensivpfleger nach Afghanistan und entscheiden dort, ob das erkrankte Kind für die Behandlung nach Deutschland geflogen werden kann. Das Reiseteam und die am Albertinen-Krankenhaus operierenden Ärzte arbeiten ehrenamtlich. Die Stiftung kommt für die OP und die Flüge auf. Bis heute wurden 148 „Herzbrücke“-Kinder behandelt.
  2. Die 2012 gegründete „Andreas August Friedrich Nissen und Alwine Schulze-Nissen Stiftung“ fördert seit 1963 die Berufsbildung und den Schritt in die Selbständigkeit. Dafür vergibt sie zinslose Darlehen von bis zu 25.000 Euro. Diese dienen als Eigenkapitalersatz und sichern oft weitere Darlehen von Banken ab. Das Projekt „Existenzgründerdarlehen“ ist ein wichtiger Beitrag zur Mittelstandsförderung in Hamburg.  
  3. Von der „Infinitas – Marianne und Hans-Michael Kay Stiftung“ dürfen sich schwerkranke Männer und Frauen am Ende ihres Lebens etwas wünschen – „Ein letzter Wunsch“ heißt das Projekt. Dafür kooperiert die Stiftung mit Hospizen und Pflegeeinrichtungen. Sie organisiert und finanziert die Wünsche, sei es nun ein Besuch bei Hagenbeck oder ein Flug mit einem alten Propellerflugzeug.
  4. 2008 hat der Verein Plan International Deutschland die Stiftung „Hilfe mit Plan“ auf den Weg gebracht. Das eingereichte Projekt „Change Plus – Mädchen aktiv schützen“ will Migrantinnen vor Genitalverstümmelung schützen. Terre de Femmes übernimmt die europaweite Koordination, die Stiftung „Hilfe mit Plan“ übernimmt die Arbeit in Deutschland. Sie bildet zum Beispiel betroffene Frauen, Imame oder andere Mitglieder afrikanischer „Communities“ in Hamburg als Berater und sogenannte change agents aus.  
  5. Die Stiftung „phönikks Familien leben – mit Krebs“ wurde 1988 von Christl Rehmenklau-Bremer gegründet. Sie unterstützt die ganze Familie, wenn ein Mitglied an Krebs erkrankt ist. Zu diesem Zweck unterhält die Stiftung seit fast 30 Jahren ein Beratungs- und Hilfezentrum für krebskranke Kinder, Jugendliche, junge Eltern und ihre Angehörigen. Das seit 2015 laufende Projekt „Kinder krebskranker Eltern“ wurde von der Stiftung neu entwickelt und wissenschaftlich evaluiert. Es füllt eine bedauerliche Lücke, denn Krankenkassen übernehmen bei einer Krebserkrankung kaum die Versorgung der Angehörigen.
  6. Die Stiftung Ros wurde 2013 von Antje Block und Jade Jacobs gegründet. Ihr Ziel ist es, das letzte Hamburger Ledigenheim in der Rehhoffstraße zu erhalten. Das Ledigenheim von 1912 war ursprünglich ein Wohnheim für alleinstehende Hafen- und Industriearbeiter. Heute wird es von Saisonarbeitern genutzt, aber es gibt auch eine feste Hausgemeinschaft aus ehemaligen Seeleuten und Arbeitern.
    Die Stiftung entstand aus einer  Nachbarschaftsinitiative und erwarb das Wohnheim nach einer Fundraising-Kampagne, um es vor der Abwicklung zu  schützen. Da das Haus 1970 zuletzt saniert wurde, stehen jetzt umfangreiche Bauarbeiten an.
Meine Damen und Herren,
dies sind beeindruckende Beispiele der Stiftungsarbeit in Hamburg und ich bin mir sicher: Jedes Projekt ist auf seine Art preiswürdig. Trotzdem wird es nun spannend. Aber welche der sechs Stiftungen nun den diesjährigen Hamburger Stiftungspreis gewinnen, das erfahren Sie nicht von mir, dafür gebe ich das Wort gleich weiter.

Allen Nominierten aber möchte ich schon jetzt zu ihrer hervorragenden Arbeit gratulieren.

Alles Gute und viel Erfolg weiterhin!

Besten Dank

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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