Olaf Scholz
09.11.2017

Grußwort zum "Bergfest" Opernwerkstätten und Abschluss der Infrastrukturmaßnahmen für den Huckepackbahnhof/Billebogen

 

Sehr geehrter Herr Görge,
sehr geehrter Herr Prof. Bruns-Berentelg,
sehr geehrte Frau Präsidentin,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir stehen hier heute nicht nur in dem künftigen Kostüm- und Maskenfundus der Hamburgischen Staatsoper, sondern auch vor der verheißungsvollen Kulisse des Bauens am Billebogen. Wie es in diesem wichtigen Stadtteil Rothenburgsort, um das Gelände des Neuen Huckepackbahnhofs, in Zukunft aussehen wird, kann man sich jetzt schon besser vorstellen. Es wird – wenn ich ein berühmtes Zitat von Udo Lindenberg  abwandeln darf  – die Kulisse für'n Film, der neu anläuft.

Die Oper mag mir diesen Sprung in zwei andere Kultursparten, Film und Deutschrock, verzeihen. In Hamburg darf man das tun. Kultur aller Sparten, Baukräne, Stadtentwicklung, Handel und Wandel, Umbau der Verkehrs-Infrastruktur – das alles passt in unserer Stadt besser zusammen, baut, wenn alles gut geht, überzeugender aufeinander auf als irgendwo anders.

Hier, wo sich die HafenCity, die Elbbrücken, die Veddel und der künftige neue Stadtteil Grasbrook nahtlos anschließen, wo man die Skyline der nahen City ahnt aber auch Hamburgs zweitgrößtes Industriegebiet Billbrook im Osten, zeigt sich das sehr gut.

Das heutige „Bergfest“ markiert den halben Weg zum Gipfel: Der erste Bauabschnitts für die Dekorationswerkstätten und die Fundi für Masken, Kostüme und Kulissen der Hamburgischen Staatsoper sind fertig. Dazu kommt die Fertigstellung der wesentlichen Infrastruktur auf dem Neuen Huckepackbahnhof durch die Billebogen Entwicklungsgesellschaft.

Und es musste ja auch tatsächlich der eine oder andere Berg überhaupt erst aufgeschüttet werden, damit der neue Typus von Gewerbebauten realisiert werden kann: Häuser, die sowohl über eine repräsentative Seite als auch über eine Logistikebene verfügen, die darunter liegt. Was nun die Vor- oder Rückseite sein mag, mögen die beurteilen, die es dann täglich nutzen.

Mit der Erschließung bekommt der Neue Huckepackbahnhof ein Gesicht. Leute und Geschichten ziehen hier auch bald ein, wenn die Opernwerkstätten und -fundi endgültig fertiggestellt sind. Im Juni 2018 soll der zweite Teil übergeben werden.

Wir können das, was hier schon zu sehen ist, gern symbolisch als Hintergrund für eine Ouvertüre betrachten. Denn hier am Neuen Huckepackbahnhof und im gesamten Billebogen werden sich weitere Gewerbebetriebe ansiedeln, die viele Arbeitsplätze bieten. Es entsteht nicht weniger als ein neuer innovativer Produktionsstandort im Herzen der Stadt Hamburg.

Und, meine Damen und Herren,
natürlich besteht auch ein Zusammenhang mit dem umfangreichen Wohnungsbauprogramm des Senats. Sie wissen, ohne  Wohnungen geht es nicht. Wir  werden nicht aufhören, Wohnungen zu bauen, weil immer mehr Menschen bei uns wohnen und arbeiten wollen. Die Ankunftsstadt Hamburg wird den kreativen Umgang mit Flächen, den wir entwickelt haben, fortsetzen. In diesem Fall ermöglicht der Umzug der Opernwerkstätten, dass wir 675 Wohnungen in Barmbek neu bauen können.

Das ist ein gelungenes Aufeinander-aufbauen von Kultur und Stadtentwicklung. Die Staatsoper tut der Stadt einen Gefallen, was den Wohnungsbau in Barmbek betrifft. Aber sie profitiert auch selbst sehr, indem neue moderne Werkstätten und Fundi erstmals an einem Ort zusammengeführt werden. Dadurch werden die Arbeits-, aber auch Lagerbedingungen und die logistischen Voraussetzungen für die Staatsoper deutlich besser. Ich war sehr beeindruckt zu hören, dass der Umzug aller Kulissen, Requisiten, Beleuchtungs- und Tontechnikanlagen und so weiter, dass dieser Teil des Gesamtprojekts 520 Lkw-Ladungen umfassen wird.

Meine Damen und Herren,
der Billebogen, der zu unserem Konzept „Stromaufwärts an Elbe und Bille“ gehört, ist sozusagen auch eine Kulisse für große Oper. Er wird Stück für Stück Hamburgs innere Stadt um einen urban verträglichen Gewerbestandort erweitern, dessen Lage bemerkenswert ist: mit guter Straßenanbindung durch die Billhorner Brückenstraße und die Amsinckstraße, in kurzer Distanz zur S-Bahnstation Rothenburgsort, auch die Metrobuslinie 3 hält gleich in der Nähe, und im Süden eröffnet 2018 die neue U- und S-Bahnstation Elbbrücken.
 
Wie in der Oper klassische Stücke immer wieder neu interpretiert werden, greifen wir auch hier eine große Tradition Hamburgs auf und bauen das neue Gewerbegebiet in Anlehnung an die historische Speicherstadt. Hier wird auf Qualität gesetzt, die langfristig trägt –architektonisch und auch in der Nutzung. Im gesamten Billebogen werden wir hoch spannende Gewerbe ansiedeln, die Verkehrssituation verbessern und die öffentlichen Zugänge zu den hochattraktiven, aber heute immer noch versteckt liegenden Wasserlagen an der Bille verbessern.

Allerdings sind die neuen Gebäudetypen, die man hier sehen wird, keineswegs nur als Kulissen zu verstehen. Sie werden ein konkreter Bestandteil dessen sein, was Stadtplaner einen Chancenraum für urbane Produktion nennen. Das Ganze nah am Wasser, so wie Hamburg schon immer mit Erfolg gebaut hat.

Der Neue Huckepackbahnhof ist eines der Kernprojekte intelligenter Stadtentwicklung im östlichen Anschluss an die HafenCity. Hier wird sie organisiert – die urbane Produktion, auf bis zu sechs Ebenen. Die Hamburgische Staatsoper ist die erste Nutzerin auf dem Gelände, das mit seiner zentralen Lage und hervorragenden verkehrlichen Erschließung für sich wirbt. Die Oper wendet bei diesem Projekt das Mieter-Vermieter-Modell an, das Bestandteil der neuen Immobilienstrategie des Senats ist: Eine Objektgesellschaft (IVK Immobilienverwaltung für Kultur GmbH & Co.KG) stellt das Baubudget in Höhe von gut 68 Millionen Euro und vermietet das Objekt an die Oper.

Darüber hinaus wird die Billebogen Entwicklungsgesellschaft, eine Tochter der HafenCity Hamburg GmbH, auf den rund 11 Hektar des Huckepackbahnhofs neue Formen urbaner Produktion mit 2.500 bis 3.000 Arbeitsplätzen ermöglichen.

Meine Damen und Herren,
ich gratuliere der Billebogen Entwicklungsgesellschaft, dem Bezirk Hamburg Mitte, der Sprinkenhof GmbH und der Hamburgischen Staatsoper zum erreichten Projektstand, auch wenn noch manches zu tun bleibt. Ebenso gratuliere ich dem Hamburger Architekturbüro DFZ Architekten, das den Gebäudekomplex der Opernwerkstätten und -fundi entwickelt hat, und HENN Architekten, die zusammen mit der Billebogen Entwicklungsgesellschaft und dem Bezirk die Funktionsplanung des Geländes voran bringen.

Ich wünsche allen ein weiterhin gutes Gelingen!

Vielen Dank

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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