Olaf Scholz
10.11.2017

Grußwort zur Eröffnung der neuen DLR-Institute

 

Sehr geehrte Frau Professor Ehrenfreund,
sehr geehrter Herr Staatssekretär,
sehr geehrter Herr Professor Henke,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

willkommen im Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung! Willkommen in Hamburg-Finkenwerder – einem der besten Orte für alle, die daran arbeiten, dass wir in Zukunft komfortabler, leiser und emissionsärmer fliegen und dass wir im internationalen Wettbewerb weiterhin vorne mitspielen.

Als wir das ZAL am 7. März 2016 eröffnet haben, war das ein guter Tag für unsere Stadt und für die Luftfahrt in Europa. Endlich erhielten Forscher und Unternehmen die Gelegenheit, unter einem Dach ihr Wissen zusammenzubringen und ihre Kräfte zu bündeln. Das war ein wichtiger Schritt. Doch es war auch klar: Da fehlte noch jemand. Jemand sehr Wesentliches. Ein Partner, dessen starke Präsenz für den drittgrößten zivilen Luftfahrtstandort der Welt nicht nur wünschenswert, sondern unverzichtbar ist.

Mit großer Freude begrüße ich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Hamburg-Finkenwerder! Ich bin mir sicher, Sie finden im TechCenter des ZAL hervorragende Bedingungen für Ihre Arbeit und ich hoffe, dass Sie sich schnell einleben und bei uns wohlfühlen.  

Dass Hamburg Sitzland des DLR wird und weitere, zu unseren Schwerpunkten passende DLR-Institute in der Hansestadt eröffnen, hatte für den Hamburger Senat höchste Priorität. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist die bedeutendste Forschungseinrichtung unseres Landes auf diesem Gebiet. Der Ansatz des DLR, alle Möglichkeiten der Digitalisierung auszuschöpfen und Übergänge zwischen Forschung und Produktentwicklung zu schaffen, passt perfekt in unser Hamburger Profil, zu dem der Flugzeugbau und die Luftfahrtforschung eben gehören. Und hier in Finkenwerder fließt dies alles organisch zusammen.

Bestmögliche Übergänge und Anschlüsse schaffen – das ist für uns in Hamburg ein entscheidendes Stichwort. Wer Innovationen fördern will, der muss schon bei einer guten Bildung in Kita, Schule, Berufsausbildung und Universität anfangen. Der muss Brücken zwischen der Forschung in Unternehmen, an den Universitäten und in Instituten wie dem DLR bauen, das Gründen von Unternehmen erleichtern  und manches mehr. Erst all das zusammen macht eine Stadt wie Hamburg zu einem guten Ort für Innovationen.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt liefert mit den zwei neuen Instituten einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Flugzeugbranche. Ich danke allen, die der erfolgversprechenden neuen Verbindung Wege gebahnt haben, sehr herzlich. Mein Dank gilt Frau Professor Ehrenfreund und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beim DLR; er gilt dem ZAL und den Hamburger Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die unser Anliegen unterstützt haben; er richtet sich an den Bund und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, an die Mitglieder des Hamburger Senats, die mitwirkenden Hamburger Behörden und die Bundestagsabgeordneten aus Hamburg, die sich für diese Lösung stark gemacht haben.  

Ich denke, wir sind alle sehr froh, dass es gelungen ist, die nötige Erhöhung der Grundfinanzierung des DLR sowie Hamburgs Beitrag zur Bund-Länder-Finanzierung des Projektes sicherzustellen und so die Voraussetzungen für die Gründung zweier DLR-Institute in Hamburg zu schaffen.

Das neue „DLR-Institut für Systemarchitekturen in der Luftfahrt“ und das „DLR-Institut für Instandhaltung und Modifikation“ befinden sich in einem starken wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Umfeld. Hamburg Aviation, das erfolgreiche Cluster der Metropolregion, umfasst neben Airbus, Lufthansa Technik und Airport Hamburg etwa 300 Zulieferer, 40.000 hochqualifizierte Fachkräfte und vielfältige Bildungs- und Forschungseinrichtungen. So steht zum Beispiel mit dem Laserzentrum Nord ein exzellenter Partner für 3D-Druck und digitale Verfahren zur Seite. Es ist geplant, das LZN schon bald in die Fraunhofer Gesellschaft zu überführen,  was wiederum Teil des umfassenden Ausbaus unserer Stadt zu einer Metropole der Wissenschaft im Norden ist.

Meine Damen und Herren,
„Die Technik der Luftfahrt eilt mit stürmischen Schritten voran. Wir haben gegen das Ausland mancherlei nachzuholen … Da gilt es im besten Sinne: Doppelt gibt, wer schnell gibt.“

 

Das hat ein gewisser Professor Doktor-Ing. Bendemann im „Ersten Bericht der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt“ des Jahres 1912 geschrieben.

 

Damals hatte der Kaiser 50.000 Mark für einen an des Kaisers Geburtstag zu verleihenden Preis für den „besten deutschen Flugzeugmotor“ gestiftet. 44 verschiedene Motoren wurden gemeldet, zehn Wochen hatte die Versuchsanstalt Zeit zur Prüfung,  was der forschende Ingenieur Bendemann als ziemlich ambitioniert empfand.

Trotzdem machte man sich in der Versuchsanstalt sehr umfassende Gedanken, was denn alles in die Bewertung eines Flugzeugmotors eingehen müsse. Zum Beispiel, dass – ich zitiere – „nicht nur die eigentliche, technische Güte des Motors, sondern etwas auch die organisatorische Leistungsfähigkeit, Findigkeit und Schnelligkeit der ausführenden Fabrik mit bewertet wird. Den Motor schnell und sicher den jeweils gegebenen Bedingungen anpassen und rasch in guten Gang bringen zu können, ist in der Tat oft wichtiger als einzelne kleine Vorteile in Kraftleistung oder Gewicht.“ So schrieb es Bendemann in seinem Bericht.

Das komplette, nun ungleich komplexere System der Luftfahrt im Blick zu haben, dafür steht auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Damit beschreitet es vielleicht keinen Kaisers-, aber doch einen Königsweg in die digitalisierte Zukunft.

Produktion, Betrieb, Wartung und Reparatur, End-of-Life – all das fließt heute in den Entwurf eines Flugzeugs ein. Die Integration von elektronischen Systemen und Technologie, virtuelle Produktentwicklung, 3D-Druck von Teilen und Ersatzteilen, autonome Systeme, automatisierte Diagnoseverfahren bei der Wartung, eine gute Balance zwischen Standardisierung und individuellen Lösungen und vieles mehr sind einige der anstehenden Entwicklungsaufgaben. Es sind Aufgaben, die nur zu lösen sind, wenn Forschung und Anwendung Hand in Hand gehen und die Wege zwischen beiden kurz sind.

Für den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit und für die Lösung der großen Zukunftsaufgaben ist die Luftfahrtforschung  und -entwicklung wichtiger denn je. Bis 2035 wird sich die Zahl der Flugzeuge voraussichtlich verdoppeln. Gleichzeitig sollen – so das europäische Ziel – die Emissionen an CO2 und Lärm bis 2050 radikal gesenkt werden. Die Arbeit des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Hamburg-Finkenwerder wird dazu beitragen, wegweisende Technologien und Lösungen made in Europe anzubieten. Das Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung wird als Inkubator für neue Ideen und ihre Realisierung mit den beiden neuen Instituten nun noch schlagkräftiger werden.

Die Luftfahrt bleibt ein großes Abenteuer, wenn auch nicht im Sinne der frühen Flugpioniere, für die die Sicherheit und Berechenbarkeit heutiger Flugzeuge wohl unvorstellbar war. Aber die  Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die Techniker und Technikerinnen werden uns weiterhin neue Perspektiven am Himmel eröffnen. Ich freue mich sehr, dass nicht wenige der Exzellentesten unter ihnen nun in Hamburg zusammenarbeiten.    

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei und auch persönlich alles Gute.

Vielen Dank.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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