Olaf Scholz
30.01.2018

Grußwort zum Neujahrsempfang für das Konsularische Korps

 

Sehr geehrte Frau Doyenne,
sehr geehrte Leiterinnen und Leiter der internationalen Organisationen und  konsularischen Vertretungen,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

wie schön, dass wir wieder gemeinsam im Festsaal des Hamburger Rathauses das noch junge Jahr begrüßen.  

Für mich ist dieser Anlass immer sehr willkommen. Es ist gut, wenn fast das gesamte Korps zusammenkommt und Gelegenheit hat, sich auszutauschen. Nebenher führt das die Bedeutung Hamburgs als großer europäischer Konsularstandort stets eindrucksvoll vor Augen.

Der Neujahrsempfang gibt mir eine willkommene Gelegenheit, die zehn neuen Konsulatsleiterinnen und Konsulatsleiter, die im vergangenen Jahr ihren Dienst angetreten haben, in diesem schönen Rahmen noch einmal zu begrüßen. Auch der Internationale Seegerichtshof und das UNESCO Institut für Lebenslanges Lernen haben neue Leitungen bekommen, worüber wir uns sehr freuen. Sie alle tragen dazu bei, dass Hamburg seiner Rolle als internationale Metropole, als Tor zum Norden und nach Europa, gerecht werden kann. Dafür danke ich Ihnen sehr.

Der Jahresbeginn wird in Deutschland diesmal stark von innenpolitischen Themen bestimmt. Die Koalitionsverhandlungen nehmen den ihnen gebührenden Raum ein. Schließlich müssen die Weichen so gestellt werden, dass Deutschland für die Zukunft gut aufgestellt ist und die großen globalen Herausforderungen klug anpackt.       

Bei den Verhandlungen geht es ja längst nicht allein um Deutschland. Europa schaut nach Berlin und wartet auf wohldurchdachte Vorschläge, die die Europäische Union auf einen erfolgreichen Zukunftskurs zu bringen vermögen.  

 

Dass die Zukunft Europas bei den deutschen Koalitionsverhandlungen so weit vorne steht, ist bemerkenswert und in dieser Form neu. Es zeigt, wie die Globalisierung die Handlungsspielräume einzelner Staaten verändert hat und wie sehr ihr Wohl vom Wohl einer starken Europäischen Union abhängt. Dieses Bewusstsein teilen inzwischen sehr viele Mitgliedsstaaten.

In Deutschland geht es bei den Koalitionsverhandlungen also nicht nur um stabile Verhältnisse, gefragt sind Kreativität, innovative Ideen und der Mut zu einer wohlüberlegten Weiterentwicklung der Europäischen Union.

Der Wandel, der durch den technischen Fortschritt und die Globalisierung der Märkte angetrieben wird, stellt Hamburg vor viele Herausforderungen.

 

Die Arbeitswelt wird sich durch die Digitalisierung grundlegend verändern. Auf diesen Wandel müssen wir Bürgerinnen und Bürger vorbereiten und dafür sorgen, dass ausreichend  neue Arbeitsplätze entstehen und die Unternehmen auf den globalen Märkten mit innovativen Produkten und Dienstleistungen wettbewerbsfähig sind. Was wir brauchen, ist ein gemeinsamer Europäischer Weg für die Globalisierung und für den technischen Wandel. Stark bei Innovationen, stark in der Bildung und durch die soziale Marktwirtschaft – so stellen wir uns Europa vor.

Hamburg will in diesem Europa als Schnittstelle zum Norden eine wichtige Rolle spielen. Eine solche Schnittstelle ist unsere Stadt seit langem für die Unternehmen, aber zunehmend auch für die Wissenschaft. In Forschung und Entwicklung stecken wir viel Energie. Mit Erfolg! In den vergangenen Jahren konnten wir den Wissenschafts- und Innovationsstandort erheblich ausbauen.

Der Forschungscampus in Bahrenfeld nimmt rund um das DESY immer weiter Gestalt an. Im vergangenen Sommer haben auf dem Campus zwei neue Institute eröffnet. Wir haben den Grundstein für ein neues Max-Planck-Institut gelegt und wenige Tage vor Weihnachten den Spatenstich für den Neubau des Hamburg Advanced Research Centre for Bioorganic Chemistry der Universität Hamburg gefeiert.

Ein riesiger Sprung nach vorn gelang uns mit dem Röntgenlaser European XFEL, der im vergangenen September seinen Betrieb aufnahm.  Bei der Erforschung kleinster Teilchen und Moleküle befindet Hamburg sich nun auf Augenhöhe mit Stanford oder dem MIT. Ich weiß, das Interesse ist groß, den XFEL und seinen Beschleunigertunnel einmal anzuschauen – ein gemeinsamer Besuch ist schon avisiert. Darauf können wir wirklich gespannt sein. Auch mit unserem Röntgenlaser schließt sich wieder der Kreis zu Europa, denn am XFEL sind neben Deutschland zehn weitere europäische Länder beteiligt. „Hamburg – ganz Europa in einer Stadt“ – dieses Motto der im Mai stattfindenden Europa-Woche lässt sich auch sehr gut auf uns, die Wissenschaftsmetropole im Norden übertragen.

Meine Damen und Herren,
„nichts ist beständiger als der Wandel“ – dieser dem griechischen Philosophen Heraklit zugeschriebene Satz bringt unsere Zeit mit  ihren vielen Zukunftsaufgaben auf den Punkt. Und man fragt sich, was Heraklit wohl denken würde, wenn er Hamburg im Jahr 2018 sehen könnte? Was würde er sagen beim Blick von Steinwerder auf die Hafen-Skyline? Vermutlich würde er staunen, wie treffend sein Satz nach 2.500 Jahren immer noch ist.   

Auch wenn es mir schwer fällt – ich werde jetzt nicht die Gelegenheit nutzen, um von Steinwerder erneut zur Elbphilharmonie mit seiner wunderbaren Plaza zu schweifen. Vielmehr möchte ich darauf hinweisen, dass Hamburg auch dort immer schöner wird, wo es am ältesten ist. Nach wie vor hat man einen wunderbaren Blick vom Michel und den Türmen der anderen Hauptkirchen. Und dazwischen entwickelt sich das alte Hamburg stetig weiter. So werden voraussichtlich im Juni die „Stadthöfe“ zwischen den Großen Bleichen und dem Alsterfleet eröffnet. Am Alten Wall, direkt am westlichen Flügel des Rathauses, entsteht bis zum  Sommer eine moderne Flaniermeile. Sie wird gesäumt von den restaurierten Fassaden der alten Kontorhäuser. Auch das noch in der Planung befindliche „Neue Quartier am Klosterwall“ kann  der Innenstadt weiteren Schwung verleihen.

Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, weshalb Monat für Monat, Jahr für Jahr weitere Menschen in unsere Stadt kommen. Viele von ihnen bleiben für längere Zeit oder für immer hier. Mittlerweile hat Hamburg über 1,8 Millionen Einwohner. Darüber freuen wir uns sehr und wir tun alles, damit es für alle eine gute Arbeit, bezahlbaren Wohnraum, gute Schulen und Kitas und ein modernes Mobilitätsangebot gibt.

Beim Wohnungsbau ist uns im vergangenen Jahr sogar ein neuer Rekord geglückt: Wir konnten mehr als 13 000 Baugenehmigungen erteilen.

 

Beim Erschließen neuer Wohnquartiere achten wir sehr darauf, dass die Mischung stimmt. Sie können in diesem Jahr buchstäblich dabei zuschauen, wie in der östlichen Hafencity familienfreundliche und bezahlbare Wohnungen wie die Primeln im Frühling aus der Erde schießen. Der neue Park auf der  künstlichen Halbinsel im Baakenhaafen wird im Sommer schon begehbar sein.

Und die Entwicklung der Stadt geht weiter, etwa am Billebogen. Wir halten weiterhin Ausschau nach Flächen für den Wohnungsbau und für die Ansiedlung von Gewerbe. Auch die Planungen für die großen  Stadtentwicklungsvorhaben in Oberbillwerder und auf dem Grasbrook gehen voran.  

Meine Damen und Herren,
die Internationalität unserer Stadt verpflichtet uns in besonderer Weise, dass wir uns für Europa und die Verständigung der Völker einsetzen. Wir begrüßen es sehr, wenn auch der Sport die Welt in einem gewissen Rahmen näher zusammenrücken lässt. Da Hamburg eine sehr sportbegeisterte Stadt ist, sehen wir den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang mit Spannung entgegen. Bereits im Vorfeld hat sich gezeigt, dass das Großereignis das Fenster für den Dialog zwischen Nord- und Südkorea doch ein wenig öffnen konnte.

Im Juni wird dann die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland  angepfiffen. Auch hier hoffen wir darauf, dass sich wieder einige Kommunikationswege auftun. Wem man am Ende bei der Weltmeisterschaft die Daumen drückt, darüber wird es hier im Saal sicherlich unterschiedliche Meinungen geben. Bitte verzeihen Sie mir an diesem Punkt einen kleinen Fauxpas. Auch wenn es die Höflichkeit gebietet, anderen den Vortritt zu lassen: Es wäre mir nicht ganz unangenehm, sollte der amtierende Weltmeister die Frechheit besitzen und erneut um die ersten Plätze antreten.

Aber vor allem wünsche ich uns allen eine friedliche und faire Weltmeisterschaft. Und Ihnen allen beim heutigen Neujahrsempfang einen angeregten Austausch.

Herzlichen Dank

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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