Olaf Scholz
08.02.2018

Rede zur Vorstellung der Pläne für den Elbtower

Elbtower: Blick vom Elbpark | © SIGNA Chipperfield

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Dies ist ein besonderer Tag für Hamburg. Ich möchte Ihnen vorstellen, wie im kommenden Jahrzehnt, nahezu 30 Jahre nach der Ankündigung der HafenCity durch einen meiner Amtsvorgänger, Bürgermeister Henning Voscherau 1997, das Bild der HafenCity 2025/26 vollendet werden könnte. Nämlich mit einem Hochhaus vor den Elbbrücken, einem wirklich hohen Gebäude für Hamburg von 235 m und, wie ich überzeugt bin, einem hervorragenden Gebäude.

 

Am 8. März 2017 hatte ich die Idee präsentiert, die Hochhausentwicklung an den Elbbrücken aufzunehmen. Wir hatten vorgestellt, dass es entweder ein Haus oder ein hohes Haus und ein niedriges Haus werden soll. Weniger als ein Jahr danach haben wir Klarheit, einen Kaufvertrag und einen Entwurf. Heute wissen wir, es wird ein Gebäude sein, und zwar nach einem Entwurf von David Chipperfield, einem Londoner Architekten, der in Deutschland insbesondere durch qualitätsvolle Museumsbauten in Berlin ein hohes Renommee gewonnen hat.

 

Elbtower: Blick von Westen | © SIGNA Chipperfield


Warum ein besonders hohes Hochhaus?

 

Es ist der richtige Ort, das östliche Ende der HafenCity und damit auch der Innenstadterweiterung Hamburgs durch die HafenCity.


Es markiert die Elbbrücken und damit die erste oberirdische Flussquerung der Elbe nach mehr als 100 km von der Nordsee kommend.


Es repräsentiert den Wechsel zwischen Seeschifffahrts- und Binnenschifffahrtsstraße auf der Elbe und bildet quasi den Übergang zum Binnenland.


Und erkennbar auf der Kartenübersicht kommen hier die Stadtentwicklungsprojekte HafenCity, Billebogen und Grasbrook zusammen, der Raum bildet das Zentrum der inneren Stadtentwicklung der nächsten beiden Jahrzehnte.

Schließlich haben wir einen neuen ÖPNV Knoten an den Elbbrücken geschaffen, mit der U4-Station Elbbrücken, die im Dezember 2018 eröffnen wird, und der S-Bahn Haltestelle. Damit ist dieser Ort an den Elbbrücken besonders nachhaltig erreichbar und ist Teil des Zukunftsmodells der Stadt Hamburg, gerade dort mit ÖPNV zu verdichten, wo dies verkehrlich vertretbar und geboten ist. Das ist auch ein Gebot der Nachhaltigkeitsentwicklung von Stadt über die Optimierung von Stadtstrukturen.


Bereits 1996 hat der Hamburger Architekt Volkwin Marg mit seinen Skizzen der HafenCity ohne das heutige Wissen hier einen Hochpunkt gesetzt.


Und Kees Christiaanse, der Masterplaner der HafenCity, hat ein äußeres Dreieck skizziert aus Kaiserhöft, dem heutigen Standort der Elbphilharmonie, der Ericusspitze mit dem Spiegelhaus und den Elbbrücken, heute dem geplanten Standort des Elbtowers, und hat diese in Beziehung gestellt und Sichtlinien um die HafenCity gezogen.

Aber hier an den Elbbrücken ist auch etwas anderes möglich, der Elbtower wahrt Respektabstand. Es stört nicht das Bild der Innenstadt mit den Kirchtürmen und dem Rathausturm von der Alster aus gesehen. Diese Sichtfelder bleiben durch ein hohes Haus an den Elbbrücken, wie hoch auch immer, ungestört.


Der Elbtower wahrt auch den Abstand zu der Umgebung. Ja, man kann sagen, er muss ihn erzwungenermaßen wahren, in der Umgebung der großen Elbbrücken, der Bahn- und Straßentrassen und der Lage an der Elbe im Süden und dem Oberhafenkanal im Norden. Ein Haus dort muss stark und hoch sein, damit es überhaupt zur Geltung kommt.


Schließlich wahrt der Elbtower auch den Respektabstand zur Elbphilharmonie; ca. 3 km liegen Elbphilharmonie und Elbtower auseinander. Sie halten Abstand zueinander, auch wenn sie doch, wie ich gleich zeigen will, verbunden zu sein scheinen.

 

Elbtower: Blick von Süden | © SIGNA Chipperfield


Warum dieses Haus und dieser Entwurf?


Ich will nicht verhehlen, ich bin begeistert vom Entwurf von David Chipperfield. Es ist ein Entwurf der Meisterklasse und ein Entwurf für diesen Standort und für Hamburg. Auch vor allen Dingen ist er durch die Überarbeitung in den letzten drei Monaten noch besser geworden, er ist etwas kleiner geworden, er ist schlanker geworden, er hat mehr Schwung erhalten und bezieht besser die Umgebung ein.


Der Entwurf ist nicht extravagant, er ist elegant und gleichzeitig raffiniert. Er trägt die Handschrift des Architekten David Chipperfield. Es ist ein Entwurf von großer Klarheit und strahlt dennoch eine Dynamik und Spannung aus, die ihn heraushebt unter all den Entwürfen, auch den vielen guten, die ich in den letzten Monaten gesehen habe.


Der Entwurf, und man sieht das anhand der verschiedenen Darstellungen, sieht aus jeder Perspektive anders aus und aus jeder Perspektive entfaltet das Gebäude eine andere Dynamik. Der Turm entwickelt sich auf dem dreieckigen Grundstück aus einer dreieckigen Mantelbebauung, bis 5 Geschosse hoch, die dynamisch in den Turm aufwachsen. Man sieht aus der Perspektive der HafenCity Bebauung am Baakenhafen, wie der Turm an die Umgebung anknüpft und dann nach oben strebt.


Von Osten erscheint er nur als Turm, völlig ohne der Mantelbebauung, der aber nach oben auseinanderstrebt und in einer klaren und gestuften Spitze ausläuft.


Aus einer anderen Sicht aus Osten wiederum sieht man, wie der Turm vor der Elbphilharmonie Respektabstand entlang des Elbblicks wahrt, aber dennoch scheint die Spitze in einem Dialog mit der Elbphilharmonie zu stehen, ohne sich aufzudrängen, wenn man von Westen und der Nordseite der Elbe beides im Blick hat.


Wenn man von Süden kommt, sieht man zwei Fassaden wie sie sich dynamisch nach oben entwickeln, aber vor allem auch, wie das Gebäude überall durch die konkaven Fassadenlinien in sich zusätzlichen Schwung erhält.


Vom Süden sieht man dann den Entwurf voll in seiner Dynamik durch das Aufwachsen aus der Mantelbebauung direkt vor der S-Bahnhaltestelle.


Ziel war und ist es, mit dem Entwurf ein Signal der Ambition für Hamburg zu setzen. Das gelingt mit diesem Entwurf. Mein Glückwunsch an David Chipperfield und Christoph Felger, der heute als Director of Design anwesend ist.

Welche Nutzungen werden entstehen?


Nicht nur von der Form ist dieses Haus ungewöhnlich. Wie von uns gefordert, ist es auch durch die gemischte Nutzung eine außergewöhnliche Immobilie.


Das Gebäude hat mit 11.000 bis 13.000 qm BGF einen erheblichen Anteil öffentlichkeitsbezogener Nutzungen und zudem ca. 3.000 qm BGF, die als Treffpunkt für die Menschen im Haus und auch für Besucher dienen. Die öffentlichen Nutzungen stehen noch nicht fest, die derzeitigen Ideen werden in den nächsten Jahren konkretisiert.


Dann wird es ein Hotel im Gebäude geben, attraktiv als Treffpunkt für Besucher und Hamburger, zum Beispiel im Restaurantbereich.


Und das Gebäude hat gut 70.000 qm BGF Büroflächen und schafft dadurch, ohne dass Wohnungsbau an dieser Stelle sinnvoll möglich wäre, eine Vielzahl von Arbeitsplätzen. Denn das Schaffen von Arbeitsplätzen an der richtigen Stelle gehört zu dem ambitionierten Wohnungsprogramm Hamburgs dazu. Insgesamt werden mindestens 2.700 aber voraussichtlich deutlich mehr als 3.000 Arbeitsplätze entstehen.


Nicht nur das Haus ist ein Gewinn für Hamburg, sondern durch ein neues, besonderes Flächenangebot für Arbeitsplätze an einem sehr gut erreichbaren Ort, der Hamburg auch über Hamburg hinaus für Unternehmen durch den Chipperfield Elbtower besonders attraktiv macht.

 

Elbtower: Blick aus dem Baakenhafen | © Hosoya Schaefer Chipperfield


Realisierungssicherheit


Mein weiteres wichtiges Ziel nach einem herausragenden Entwurf war es, Realisierungssicherheit für den Turm an so prominenter Stelle zu erreichen.


Wir freuen uns, dass wir mit der Signa Prime Selection, heute durch seinen Vorstand Herrn Herzberg vertreten, ein hervorragendes Immobilienunternehmen für die Finanzierung und den Bau des Elbtowers gewonnen haben. Signa Prime Selection mit einem Immobilienbestand im Wert von ca. 8,5 Mrd. Euro besitzt Prime-Immobilien wie das KaDeWe in Berlin oder das Alsterhaus in Hamburg, ein Ausdruck der Tatsache zu den besten am Markt gehören zu wollen.


Signa ist aber nicht nur Bestandshalter, sondern auch Bauherr an vielen Standorten und besitzt eine erhebliche Bürohauserfahrung; zum Beispiel werden Gebäude in Berlin und Wien gebaut. Signa hat im Immobilienbereich 200 Mitarbeiter, die auch sehr große Projekte stemmen können. Die Immobilienentwicklung Signas zeigt, dass Signa nicht nur Projekte ankündigt, sondern sie auch umsetzen kann.


Dazu gehört, dass Projekte auch finanziert werden können. Signa ist finanzstark, hat ein A+ Rating und hat Hamburg eine Garantie in der Höhe von 250 Mio. Euro abgegeben. Mit einem guten Drittel Eigenkapital lässt sich die zusätzliche Baufinanzierung durch seriöse Banken gut auf den Weg bringen. Und Signa hat einen sehr guten Ruf bei seriösen Banken.


Zur Realisierungssicherheit gehören aber auch die Sicherheit und die Bereitschaft, die Qualität des Hauses weiter zu entwickeln und zu sichern. Ich bin Herrn Herzberg und Signa dankbar, dass die Bereitschaft hoch ist, Hamburg im Rahmen des Kaufvertrages die vertraglichen Zusicherungen zu geben, die die Sicherheit geben, dass aus einem sehr guten Entwurf auch ein hervorragendes Gebäude wird.


Wie geht es weiter?


Die Realisierung des Elbtowers soll zügig umgesetzt werden. Aber zunächst wird, nachdem vorgestern der Kaufvertrag unter der aufschiebenden Bedingung, dass die Bürgerschaft zugestimmt hat, unterschrieben wurde, der Senat eine Drucksache der Bürgerschaft vermutlich noch im März vorlegen und gleichzeitig auch den Kaufvertrag ins Transparenzregister einstellen.


Wird die Bürgerschaftszustimmung erteilt, ist eine zügige Planung vorgesehen. 6 Monate stehen für die Planung bis zur HOAI Stufe 2 zur Verfügung.


Wir hoffen, dass wir im Sommer 2019 den B-Plan Stand 33(1) erreicht haben, auf dessen Basis dann ein Bauantrag erfolgreich beschieden werden kann. In der Zwischenzeit wird es noch eine Vielzahl von Abstimmungen mit Hamburg geben.
20 Monate nach Bürgerschaftszustimmung muss dann der Bauantrag eingereicht werden.


2021 wird voraussichtlich der Baubeginn sein, und 2025/26 die Fertigstellung.
Damit wird das Vorhaben nicht nur eher auf den Weg gebracht, als tatsächlich in der HafenCity Planung vorgesehen, sondern das Haus wird dann eher stehen, als ursprünglich gedacht.


Dank


In diesem Zusammenhang darf ich mich nochmals ausdrücklich bei allen Beteiligten bedanken.


Herrn Felger von Chipperfield Architects für den hervorragenden Entwurf.


Signa, das sie ein positives und sehr anspruchsvolles Signal setzen, das Hamburg in der wirtschaftlichen Dynamik stärkt.


Dem Team von Herrn Prof. Bruns-Berentelg, das in großer Geschwindigkeit ein hervorragendes Ergebnis für Hamburg vertraglich gesichert hat und dabei drei Verträge im Wettbewerb gleichzeitig verhandelt hat.


Mein Dank gilt schließlich auch allen, die im Hintergrund mitgewirkt haben und dem neuen Oberbaudirektor Höing, der ab November die Bieterentwürfe nochmals qualitativ verbessert hat.


Schlussbemerkung


Der legendäre Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher hat insbesondere mit Bezug auf die Alsterarkaden, das Rathaus, den Rathausvorplatz und die Blickbeziehung zur Alster vom Kunstwerk Hamburg gesprochen.


Vor gut einem Jahr haben wir dem Kunstwerk mit der Elbphilharmonie ein zentrales Element hinzugefügt. Mit diesem Entwurf von David Chipperfield wird das Kunstwerk Hamburg direkt bis an die Elbbrücken fortgesetzt. Der Turm selbst ist ein selbstbewusstes, elegantes und schönes Haus. Dieser Turm passt in seiner klassischen Haltung zum neuen Hamburg.

 

Ich bin sicher, dieses Haus ist ein großer Gewinn für Hamburg und seine Menschen, auch wenn man sich an den Turm erst wird gewöhnen müssen

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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